Panama wirkt auf der Landkarte wie ein relativ kleines Land, aber wer tatsächlich durch Panama reist, merkt schnell, dass in diesem schmalen Streifen zwischen Pazifik und Karibik erstaunlich viele verschiedene Welten stecken. Panama hat zehn Provinzen, und fast jede davon fühlt sich ein wenig anders an. Es gibt karibische Inseln, tropischen Regenwald, Vulkane, Kaffeeplantagen, koloniale Festungen, Surfstrände, indigene Kulturen, Viehzucht, Fischerdörfer, moderne Großstadt und natürlich den berühmtesten Kanal der Welt. Genau deshalb lohnt es sich, Panama nicht einfach nur als „Panama City, Strand und Bocas del Toro“ zu betrachten. Jede Provinz erzählt einen anderen Teil der Geschichte des Landes.
Bocas del Toro, die karibische Seite Panamas
Bocas del Toro ist wahrscheinlich die Provinz, die am ehesten dem klassischen karibischen Traum entspricht. Türkisfarbenes Wasser, Inseln, Mangroven, Korallenriffe, Regenwald, Surfer, kleine Boote und eine entspannte karibische Atmosphäre gehören hier zum Alltag. Interessant ist allerdings, dass Bocas del Toro nicht nur aus Inseln besteht. Die Provinz hat auch ein riesiges Festlandgebiet mit Regenwald und geschützten Naturgebieten, darunter Bereiche des Internationalen Parks La Amistad und des Schutzwaldes Palo Seco.
Der Archipel von Bocas del Toro besteht aus neun größeren Inseln und Tausenden kleineren Inselchen. Das Wasser liegt ungefähr bei 26 Grad Celsius und eignet sich deshalb hervorragend zum Schwimmen, Schnorcheln und Tauchen. Wegen der außergewöhnlichen Unterwasserwelt ist sogar das Smithsonian Tropical Research Institute auf dem Archipel wissenschaftlich aktiv.
Bocas ist außerdem kulturell besonders interessant. Die afrokaribische Geschichte ist überall spürbar, in der Musik, im Essen und in der Sprache. In Bocas kann man sogar Guari Guari hören, eine lokale Sprachform, die Einflüsse aus Spanisch, Englisch und Französisch miteinander verbindet. Calypso und Reggae gehören genauso zum kulturellen Bild wie frischer Fisch, Kokosnuss und karibische Küche.
Und dann gibt es Bastimentos. Die Insel beherbergt den Parque Nacional Marino Bastimentos und die afrokaribische Gemeinde Old Bank. Gleichzeitig findet man dort wilde Strände, Regenwald und einige der bekanntesten Surfgebiete Panamas. Bocas ist deshalb nicht einfach nur ein Strandziel. Es ist eine Mischung aus Karibik, Regenwald, Inselabenteuer, Nachtleben und verschiedenen Kulturen.
Coclé, wo Berge und Pazifik aufeinandertreffen
Coclé ist eine der Provinzen, die Besucher leicht unterschätzen. Sie liegt relativ nahe an Panama City und kann deshalb bequem erreicht werden, aber innerhalb der Provinz verändert sich die Landschaft dramatisch. Im Süden befinden sich die Pazifikstrände, weiter nördlich beginnen Berge und feuchtere Waldgebiete, während der Westen stark landwirtschaftlich geprägt ist. Dort werden unter anderem Zuckerrohr, Reis, Zitrusfrüchte und andere landwirtschaftliche Produkte angebaut.
Eine der interessantesten historischen Sehenswürdigkeiten ist der archäologische Park El Caño. Dort wurden bedeutende präkolumbianische Gräber gefunden, die zeigen, dass in dieser Region bereits lange vor der Ankunft der Europäer komplexe Gesellschaften existierten. Die archäologischen Funde reichen teilweise bis etwa 700 bis 1000 nach Christus zurück.
Coclé ist auch berühmt für den traditionellen Sombrero Pintao. Der Name ist eigentlich etwas irreführend, denn der Hut wird nicht einfach bunt angemalt. Die charakteristischen Muster entstehen durch die Verarbeitung verschiedener Pflanzenfasern und traditionelle Flechttechniken, die über Generationen weitergegeben wurden. Die Herstellung gehört inzwischen zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.
Und dann gibt es El Valle de Antón, einen Ort in einer riesigen vulkanischen Landschaft, wo man morgens in den Bergen wandern und später an die Pazifikküste fahren kann. Coclé ist damit eine ausgezeichnete Provinz für Besucher, die Berge, Kultur und Strand miteinander verbinden möchten.
Colón, wo Piraten, Festungen und der Kanal aufeinandertreffen
Colón ist eine der geschichtlich interessantesten Provinzen Panamas. Die Lage an der Karibikküste machte die Region schon während der spanischen Kolonialzeit extrem wichtig. Waren, Edelmetalle und andere Güter wurden über die Landenge transportiert, wodurch die karibischen Häfen zu wichtigen Handelszentren wurden.
Portobelo war damals einer der bedeutendsten Häfen des spanischen Imperiums. Der Reichtum zog allerdings nicht nur Händler an. Auch Piraten und Freibeuter hatten großes Interesse an diesem Teil Panamas. Deshalb wurden mächtige Festungen errichtet. Die Befestigungsanlagen von Portobelo und San Lorenzo gehören heute zum UNESCO Weltkulturerbe.
Aber Colón ist nicht einfach ein Freilichtmuseum der spanischen Kolonialzeit. Die Provinz besitzt eine starke afrokaribische Identität mit Musik, Küche, Tanz und einer lebendigen Congo Kultur. Die traditionelle Congo Kultur Panamas wurde von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Wer nach Colón reist, bekommt deshalb mehrere Jahrhunderte Panama auf einmal. Spanische Festungen, afrikanische Kultur, karibische Strände, Regenwald und der moderne Panamakanal liegen hier erstaunlich dicht beieinander.
Chiriquí, die Provinz der Berge, Vulkane und des Kaffees
Chiriquí ist eine der abwechslungsreichsten Provinzen Panamas. Hier findet man Pazifikküste, tropische Tiefländer, Landwirtschaft, Regenwald und einige der höchsten Berge des Landes.
Der große Star ist der Volcán Barú. Mit rund 3.475 Metern ist er der höchste Berg Panamas. Bei außergewöhnlich klarer Sicht kann man vom Gipfel sowohl den Pazifik als auch die Karibik sehen.
Chiriquí ist außerdem international für Kaffee bekannt. Besonders die Hochlandgebiete rund um Boquete und Tierras Altas besitzen ein Klima, das sich stark von den tropischen Tiefländern unterscheidet. Hier entstehen einige der berühmtesten Spezialitätenkaffees Panamas, darunter der legendäre Geisha Kaffee, der bei internationalen Auktionen außergewöhnlich hohe Preise erzielen kann.
Die Provinz ist auch ein wichtiges landwirtschaftliches Zentrum. In den höheren Gebieten werden Gemüse, Kaffee und zahlreiche andere Produkte angebaut. Gleichzeitig befinden sich dort einige der bedeutendsten Wälder und Lebensräume für Vögel und andere Tiere in Panama.
Und genau hier wird Panama für Naturliebhaber besonders interessant. In Chiriquí kann man Quetzale, Tukane, Kolibris, Affen, Faultiere und zahlreiche andere Tiere finden. Man kann morgens einen Kaffee in den kühlen Bergen trinken und wenige Stunden später wieder in einer völlig tropischen Umgebung sein.
Chiriquí ist außerdem die Heimat von Lost and Found Hostel, mitten in der Natur zwischen den wichtigen Reiserouten Richtung Boquete und Bocas del Toro. Für viele Backpacker ist genau diese Kombination aus Wald, Bergen, Wildtieren und einer sozialen Unterkunft einer der Gründe, warum Chiriquí länger auf dem Reiseplan bleibt als ursprünglich vorgesehen.
Darién, die wilde Grenze
Wenn man wissen möchte, wie wild Panama noch sein kann, muss man nach Darién schauen.
Darién liegt ganz im Osten des Landes und gehört zu den abgelegensten Regionen Mittelamerikas. Große Teile der Provinz bestehen aus Regenwald, Flüssen, Feuchtgebieten, Bergen und kaum erschlossenen Gebieten.
Der Darién Nationalpark gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und ist eines der wichtigsten Naturgebiete Mittelamerikas. Hier gibt es Regenwald, Nebelwald, Mangroven, Flüsse, Berge und Küstengebiete. Zu den Tieren der Region gehören unter anderem Jaguare und Harpyienadler.
Darién ist außerdem kulturell faszinierend. Verschiedene indigene Gemeinschaften, darunter Emberá und Wounaan, leben seit Generationen in dieser Region und besitzen ein enormes Wissen über den Wald und die Flüsse.
Für einen normalen Urlaub sollte man Darién nicht wie einen gewöhnlichen Roadtrip behandeln. Die Region ist abgelegen und erfordert Planung und lokale Kenntnisse. Genau diese Abgeschiedenheit macht sie aber so faszinierend.
Darién vermittelt einen Eindruck davon, wie große Teile Mittelamerikas ausgesehen haben müssen, bevor Straßen, Städte und moderne Infrastruktur die Landschaft verändert haben.
Herrera, klein aber kulturell riesig
Herrera ist die kleinste Provinz Panamas, aber ihre kulturelle Bedeutung ist wesentlich größer als ihre Fläche vermuten lässt. Sie liegt auf der Azuero Halbinsel und besitzt eine starke landwirtschaftliche Tradition sowie eine sehr ausgeprägte regionale Kultur.
Herrera ist auch für die Rumproduktion bekannt. In Pesé befindet sich eine wichtige Tradition der Zuckerrohrverarbeitung und Rumherstellung, und Besucher können mehr über diesen Teil der panamaischen Geschichte erfahren.
An der Küste findet man Mangroven und Wattflächen, darunter das Gebiet von Agallito, das für Zugvögel interessant ist.
Was Herrera besonders macht, ist allerdings weniger eine einzelne Sehenswürdigkeit als die Atmosphäre. Hier erlebt man einen Teil Panamas, der stark von Landwirtschaft, traditionellen Festen, Musik, Handwerk und dem Leben im Landesinneren geprägt ist.
Wenn Panama City das moderne Panama zeigt, dann zeigt Herrera einen Teil des Panama, das viele internationale Besucher nie kennenlernen.
Los Santos, die Seele des panamaischen Folklore
Los Santos ist eine der Provinzen, die besonders wichtig sind, wenn man die traditionelle Kultur Panamas verstehen möchte. Die Provinz liegt im Süden der Azuero Halbinsel und gilt als eines der wichtigsten Zentren des panamaischen Folklore.
Las Tablas ist besonders für den Karneval bekannt. Während der Karnevalszeit wird die Stadt zu einem riesigen Festplatz mit Musik, Umzügen und den berühmten Culecos. Die Region ist außerdem bekannt für die Herstellung traditioneller Kleidung wie der Pollera und für verschiedene Handwerkskünste.
Aber Los Santos ist nicht nur Folklore. Die Provinz besitzt eine lange Pazifikküste mit zahlreichen Stränden und ist heute auch ein wichtiges Ziel für Surfer und Menschen, die ein ruhigeres Leben am Meer suchen. Pedasí, Playa Venao und Cambutal sind dafür besonders bekannt.
In bestimmten Monaten kann man an der Pazifikküste außerdem Buckelwale beobachten. Auch Meeresschildkröten kommen an verschiedenen Stränden der Region zur Eiablage.
Los Santos ist deshalb eine interessante Mischung aus traditionellem Panama und moderner Surfkultur.
Panamá, die Provinz mit der berühmten Hauptstadt
Die Provinz Panamá wird natürlich von Panama City dominiert, aber es wäre ein Fehler, sie mit der Stadt gleichzusetzen.
Hier befinden sich der Panamakanal, Casco Viejo, Panama Viejo, der Amador Causeway und große Waldgebiete. Eine der erstaunlichsten Eigenschaften der Hauptstadt ist, dass sich tropischer Regenwald praktisch direkt neben einer modernen Millionenstadt befindet. Panama gehört damit zu den ungewöhnlichsten Hauptstädten der Welt, wenn es um die Nähe zwischen Großstadt und Natur geht.
Panama Viejo erzählt die Geschichte der ursprünglichen Stadt. Nachdem diese im 17. Jahrhundert zerstört wurde, entstand die neue Stadt dort, wo heute Casco Viejo liegt.
Damit kann man innerhalb derselben Provinz die Ruinen einer alten Kolonialstadt, historische Kirchen, restaurierte koloniale Gebäude, moderne Wolkenkratzer und eines der wichtigsten Bauwerke der Menschheitsgeschichte sehen.
Und natürlich gibt es den Panamakanal.
Der Kanal ist nicht einfach eine Touristenattraktion. Er ist einer der Hauptgründe dafür, dass Panama wirtschaftlich und geopolitisch eine so außergewöhnliche Bedeutung besitzt.
Panamá Oeste, die jüngste Provinz
Panamá Oeste ist der jüngste Neuzugang unter den Provinzen Panamas. Die Provinz wurde offiziell im Jahr 2014 gegründet und entstand aufgrund des starken Wachstums der Gebiete westlich von Panama City.
Heute ist Panamá Oeste vor allem für seine Pazifikküste interessant. Entlang der sogenannten Riviera Pacífica befinden sich zahlreiche Strände, darunter Punta Chame, Playa Teta, Malibu und Río Mar. Punta Chame ist besonders bei Kitesurfern und Windsurfern beliebt, während andere Strände gute Bedingungen zum Surfen bieten.
Die Provinz hat außerdem einen überraschenden Naturreichtum. Der Nationalpark Altos de Campana war der erste Nationalpark Panamas und beherbergt mehr als 200 registrierte Vogelarten.
Zwischen Juli und September ziehen Buckelwale an der Pazifikküste vorbei. Dadurch kann man in Panamá Oeste tatsächlich einen Strandtag mit Walbeobachtung verbinden.
Für Menschen aus Panama City ist die Provinz außerdem ein beliebtes Ziel für kurze Ausflüge, weil man relativ schnell von der Hauptstadt an die Strände und in die Berge gelangt.
Veraguas, die einzige Provinz an zwei Ozeanen
Veraguas besitzt einen ziemlich unglaublichen geografischen Rekord: Es ist die einzige Provinz Panamas mit Küsten sowohl am Pazifik als auch am Karibischen Meer.
Allein deshalb ist die Provinz interessant.
Veraguas liegt im Zentrum Panamas und reicht von den Bergen bis zu den Küsten. Die Pazifikküste ist besonders für Santa Catalina bekannt, während weiter draußen im Meer der Coiba Nationalpark liegt.
Coiba ist eine der größten Naturattraktionen Panamas. Die Insel war früher eine Strafkolonie, wodurch sie über lange Zeit relativ wenig entwickelt wurde. Heute ist das Gebiet für seine außergewöhnliche Unterwasserwelt bekannt. Taucher kommen wegen Haien, Rochen, Schildkröten, großen Fischschwärmen und einer enormen Artenvielfalt.
Coiba gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und ist eines der wichtigsten Meeresökosysteme Panamas.
Veraguas besitzt außerdem weitere große Naturgebiete wie den Santa Fe Nationalpark und den Cerro Hoya Nationalpark.
Für Reisende, die etwas abseits der klassischen Panama Route suchen, kann Veraguas deshalb eine der interessantesten Provinzen überhaupt sein.
Panama hat mehr als nur zehn Provinzen
Obwohl Panama offiziell zehn Provinzen besitzt, wäre es falsch, das Land nur anhand dieser zehn Gebiete zu verstehen. Panama besitzt außerdem mehrere indigene autonome Gebiete, die sogenannten Comarcas.
Dazu gehören unter anderem Guna Yala, Ngäbe Buglé und Emberá Wounaan. Diese Gebiete haben ihre eigenen kulturellen Traditionen, Sprachen und Formen der Selbstverwaltung.
Ngäbe Buglé erstreckt sich über Teile der heutigen Provinzen Bocas del Toro, Chiriquí und Veraguas. Guna Yala ist für seine Inselwelt und die Guna Kultur bekannt, während Emberá und Wounaan besonders eng mit den Regenwäldern und Flüssen des Landes verbunden sind.
Für Reisende ist das wichtig, weil Panama dadurch kulturell viel vielfältiger ist, als es auf den ersten Blick aussieht. Das Land besteht nicht einfach aus einer einzigen panamaischen Kultur. Es ist eine Mischung aus indigenen Kulturen, spanischer Geschichte, afrokaribischem Erbe, europäischen Einflüssen und modernen internationalen Einflüssen.
Warum Panama Provinz für Provinz so faszinierend wird
Das vielleicht Interessanteste an Panama ist am Ende nicht eine einzelne Sehenswürdigkeit, sondern wie unterschiedlich die einzelnen Teile des Landes sind.
In Bocas del Toro kannst du morgens im karibischen Meer schwimmen. In Chiriquí kannst du später durch Kaffeeplantagen und Bergwald wandern. In Coclé kannst du von den Bergen an den Pazifik fahren. In Colón kannst du jahrhundertealte spanische Festungen besuchen. In Darién beginnt eine der wildesten Regionen Mittelamerikas. In Herrera erlebst du das traditionelle Panama des Landesinneren. In Los Santos findest du Folklore, Karneval und Surfstrände. In Panamá stehen Wolkenkratzer, Kolonialgeschichte, Regenwald und der Panamakanal nebeneinander. In Panamá Oeste liegen Strände und Berge praktisch vor den Toren der Hauptstadt. Und in Veraguas kannst du behaupten, in einer Provinz gewesen zu sein, die an zwei Ozeane grenzt.
Das ist vielleicht das größte Geheimnis einer Panama Reise: Das Land ist klein genug, um relativ einfach herumzureisen, aber vielfältig genug, dass sich jede Provinz wie ein eigenes kleines Abenteuer anfühlen kann.
Wer Panama wirklich kennenlernen möchte, sollte deshalb nicht nur nach den berühmtesten Sehenswürdigkeiten suchen. Man sollte auf die Karte schauen, eine Provinz auswählen und sich fragen: Was gibt es dort, das die meisten Touristen noch gar nicht entdeckt haben?
Sehr oft beginnt genau dort der interessanteste Teil der Reise.

