Wer Panama im November besucht, merkt schnell, dass das ganze Land in Feierlaune ist. Überall hängen rot-weiß-blaue Flaggen an Häusern und Balkonen, Schulbands marschieren durch die Straßen, und Städte und Dörfer veranstalten große Paraden. Für viele Besucher wirkt es zunächst verwirrend, weil Panama scheinbar zweimal seine Unabhängigkeit feiert. Tatsächlich erinnern die Feierlichkeiten an zwei verschiedene historische Ereignisse, die beide entscheidend für die Entstehung des modernen Staates waren: die Unabhängigkeit von Spanien und die spätere Trennung von Kolumbien.
Der erste wichtige Feiertag findet am 3. November statt und erinnert an die Abspaltung Panamas von Kolumbien im Jahr 1903. Zu dieser Zeit war Panama noch Teil Kolumbiens. Viele Einwohner des Isthmus fühlten sich jedoch politisch und wirtschaftlich von der Regierung in Bogotá entfernt. Gleichzeitig spielte Panama eine strategisch wichtige Rolle als Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik, besonders wegen der geplanten Kanalroute. Als sich die Gelegenheit bot, erklärte Panama am 3. November 1903 seine Unabhängigkeit von Kolumbien und gründete die Republik Panama. Dieses Ereignis wird jedes Jahr mit großen Paraden, Musik und nationalen Feierlichkeiten im ganzen Land begangen.
Doch die Geschichte der panamaischen Unabhängigkeit beginnt bereits viel früher. Schon im Jahr 1821 erklärte sich Panama von der spanischen Kolonialherrschaft unabhängig. Dieses Ereignis ist bekannt als die Unabhängigkeit Panamas von Spanien. Anders als in vielen anderen Ländern Lateinamerikas verlief dieser Schritt relativ friedlich. Die lokalen Behörden beschlossen, sich von Spanien zu lösen und sich stattdessen der neu gegründeten Republik unter der Führung des südamerikanischen Freiheitskämpfers Simón Bolívar anzuschließen. Diese politische Einheit war Teil eines größeren Staates namens Großkolumbien, zu dem damals auch die heutigen Länder Kolumbien, Venezuela und Ecuador gehörten.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts zerfiel Großkolumbien jedoch, und Panama blieb schließlich als Teil Kolumbiens bestehen. Erst 1903 entstand die heutige unabhängige Republik Panama. Aus diesem Grund haben beide historischen Ereignisse – die Unabhängigkeit von Spanien und die spätere Trennung von Kolumbien – einen festen Platz im nationalen Gedächtnis des Landes.
Diese wichtigen historischen Momente werden jedes Jahr während der sogenannten Fiestas Patrias gefeiert. Die Feierlichkeiten erstrecken sich über mehrere Tage im November und zählen zu den wichtigsten nationalen Festen des Landes. Neben dem 3. November und dem 28. November gibt es noch weitere bedeutende Daten, darunter der 10. November, der an den sogenannten „Grito de Independencia“ erinnert – einen frühen Aufruf zur Unabhängigkeit von Spanien in der Stadt La Villa de Los Santos.
Während dieser Zeit verwandeln sich Städte und Gemeinden im ganzen Land in lebendige Festorte. Besonders in Städten wie Panama-Stadt, David und Colón finden große Paraden statt. Schulbands spielen Marschmusik, Schüler marschieren in farbenfrohen Uniformen durch die Straßen, und traditionelle Tänze zeigen die kulturelle Vielfalt des Landes. Viele Familien schmücken ihre Häuser mit der Flagge Panamas, und am Abend gibt es oft Feuerwerke und Musikveranstaltungen.
Für die Menschen in Panama sind diese Feiern nicht nur eine Erinnerung an historische Ereignisse, sondern auch ein Ausdruck von nationalem Stolz und Zusammengehörigkeit. Die Novemberfeiertage bringen Familien, Gemeinden und Generationen zusammen, um die Geschichte ihres Landes zu ehren.
Dass Panama zwei Unabhängigkeitstage feiert, zeigt also, dass die Entstehung des Staates in zwei wichtigen Etappen verlief: zuerst die Befreiung von der spanischen Kolonialherrschaft im Jahr 1821 und später die endgültige politische Unabhängigkeit durch die Trennung von Kolumbien im Jahr 1903. Zusammen erzählen diese Ereignisse die Geschichte eines Landes, das seine eigene Identität und seinen Platz in der Welt gefunden hat. 🇵🇦

