Panama bietet Tauchern etwas Besonderes: Auf relativ kurzer Distanz kann man zwei völlig unterschiedliche Unterwasserwelten erleben. Bocas del Toro steht für die karibische Seite Panamas mit warmem Wasser, flacheren Riffen, bunten Fischen, Korallen, Schwämmen und entspanntem Inseltauchen. Santa Catalina und der Coiba-Nationalpark dagegen bieten die wilde Pazifikseite mit größeren Tieren, stärkeren Strömungen, Fischschwärmen, Haien, Rochen, Schildkröten und dem Gefühl, weit draußen in einer echten Meereswildnis zu sein.
Bocas del Toro: Entspanntes karibisches Tauchen
Bocas ist besonders attraktiv für Anfänger, Backpacker und Taucher, die unkomplizierte Tauchgänge suchen. Viele Tauchplätze sind relativ flach, häufig etwa 10 bis 18 Meter tief, und einige liegen nur wenige Minuten mit dem Boot von den Tauchzentren entfernt. Dadurch ist Bocas ein Ort, an dem man morgens tauchen und den restlichen Tag problemlos mit Strand, Surfen, Inselerkundungen oder einfach Entspannung verbringen kann.
Die Unterwasserwelt ist typisch karibisch. Man findet Korallen, Schwämme, tropische Fische und viele kleinere Meeresbewohner. Die relativ geringen Tiefen sorgen außerdem für viel Licht und machen Bocas interessant für Unterwasserfotografie und gemütliches Erkunden der Riffe.
Preislich ist Bocas deutlich backpackerfreundlicher. Je nach Anbieter kosten zwei Tauchgänge ungefähr 60 bis 95 US-Dollar, während einzelne Tauchgänge teilweise ab etwa 60 bis 65 US-Dollar angeboten werden. Ein Discover-Scuba-Ausflug für Anfänger liegt ungefähr bei 120 US-Dollar, abhängig vom Anbieter und den enthaltenen Leistungen.
Das macht Bocas zu einem hervorragenden Ort, wenn man mehrere Tauchgänge machen möchte, ohne einen großen Teil seines Reisebudgets auszugeben.
Santa Catalina und Coiba: Die wilde Pazifikseite
Santa Catalina ist wesentlich kleiner und ruhiger als Bocas, aber für Taucher vor allem wegen seiner Nähe zum Coiba-Nationalpark interessant. Von hier aus fahren die Tauchboote hinaus in den Pazifik und zu den abgelegenen Inseln und Riffen rund um Coiba.
Schon die Bootsfahrt ist Teil des Erlebnisses. Während Bocas-Tauchplätze häufig schnell erreichbar sind, verbringt man bei Coiba wesentlich mehr Zeit auf dem Wasser. Man fährt hinaus in den offenen Pazifik, weg von Städten und touristischer Infrastruktur.
Unter Wasser verändert sich die Atmosphäre ebenfalls. Coiba ist besonders für Haie, große Fischschwärme, Rochen, Schildkröten, Delfine und saisonal auch Wale bekannt. Begegnungen mit Hammerhaien gehören zu den großen Attraktionen der Region, auch wenn kein seriöser Tauchveranstalter solche Begegnungen garantieren kann.
Coiba fühlt sich deshalb weniger wie ein tropischer Unterwassergarten und mehr wie eine echte maritime Wildnis an.
Der größte Unterschied: Große Tiere gegen Riffleben
Der einfachste Vergleich lautet: Bocas ist stärker auf das Riff ausgerichtet, Coiba stärker auf das gesamte Ökosystem des offenen Pazifiks.
In Bocas kann man langsam über ein buntes Riff schweben und nach kleinen Lebewesen suchen. In Coiba schaut man häufig ins blaue Wasser und wartet darauf, dass etwas Größeres auftaucht.
Das bedeutet nicht, dass Bocas weniger interessant ist. Für jemanden, der Korallen, Farben, Makroleben und entspannte Tauchgänge liebt, kann Bocas sogar die bessere Wahl sein.
Wenn du dagegen unbedingt Haie, große Fischschwärme und größere pelagische Tiere sehen möchtest, hat Coiba einen deutlichen Vorteil.
Auch die Bedingungen sind unterschiedlich
Bocas ist im Allgemeinen einfacher zu tauchen. Die Riffe sind häufig flacher und viele Tauchplätze liegen in relativ geschützten Bereichen.
Coiba kann dagegen stärkere Strömungen und anspruchsvollere Bedingungen bieten. Gerade erfahrene Taucher schätzen diese Strömungen, weil sie Nährstoffe und damit eine enorme Menge an Leben in das Gebiet bringen. Für Anfänger ist es jedoch wichtig, sich genau an die Anweisungen des Guides zu halten und die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen.
Coiba ist nicht unbedingt gefährlich, aber es ist weniger vorhersehbar als ein gemütlicher karibischer Rifftauchgang.
Was kostet Coiba?
Coiba ist deutlich teurer. Aktuelle veröffentlichte Preise verschiedener Anbieter liegen ungefähr bei 140 bis 160 US-Dollar für zwei Tauchgänge und etwa 160 bis 210 US-Dollar für drei Tauchgänge. Je nach Anbieter können Nationalparkgebühren, Ausrüstung, Mittagessen und andere Leistungen bereits enthalten sein oder zusätzlich berechnet werden.
Der höhere Preis ergibt Sinn, wenn man berücksichtigt, dass man nicht einfach nur zwei Tauchgänge kauft. Man bezahlt auch die lange Bootsfahrt, die Crew, den Guide, die Logistik und den Zugang zu einem abgelegenen Nationalpark.
Für einen Backpacker ist der Unterschied trotzdem erheblich. Für das Geld eines Coiba-Tages kann man in Bocas teilweise mehrere Tauchtage organisieren.
Welcher Ort eignet sich besser für Anfänger?
Für einen Anfänger würde ich Bocas bevorzugen. Die flacheren Riffe, die kurze Anfahrt zu vielen Tauchplätzen und die große Auswahl an Tauchschulen machen es zu einem angenehmen Ort, um Selbstvertrauen aufzubauen.
Wer bereits einige Erfahrung gesammelt hat, kann anschließend nach Santa Catalina reisen und Coiba erleben. Auch Anfänger können dort tauchen, aber die Bedingungen und die längeren Bootsausfahrten machen das Erlebnis etwas anspruchsvoller.
Bocas oder Coiba für Backpacker?
Für einen typischen Backpacker ist Bocas wahrscheinlich die bessere Wahl, wenn das Budget eine wichtige Rolle spielt. Du kannst günstig tauchen, in Hostels übernachten, andere Reisende kennenlernen und nach dem Tauchen noch zahlreiche andere Aktivitäten unternehmen.
Santa Catalina ist dagegen ruhiger. Das Nachtleben ist wesentlich begrenzter, dafür steht Natur und Abenteuer stärker im Mittelpunkt. Wenn dein Hauptgrund für die Reise das Tauchen ist, kann Santa Catalina deshalb sogar attraktiver sein.
Die beste Lösung: Beide besuchen
Wer genügend Zeit hat, sollte eigentlich gar nicht zwischen Bocas und Coiba wählen.
Beginne in Bocas und genieße die karibische Seite Panamas. Tauche an flachen Riffen, arbeite an deiner Tarierung und erkunde die Inselwelt. Danach reist du nach Santa Catalina und erlebst die andere Seite des Landes.
Dort bedeutet Tauchen einen frühen Start, eine längere Bootsfahrt und einen ganzen Tag auf dem Pazifik. Dafür bekommst du die Chance auf große Fischschwärme, Haie, Rochen, Schildkröten und eine völlig andere Unterwasserlandschaft.
Bocas und Coiba konkurrieren deshalb nicht wirklich miteinander. Sie ergänzen sich.
Bocas ist günstiger, leichter, geselliger und entspannter. Coiba ist teurer, abgelegener, wilder und stärker auf große Meeresbewohner ausgerichtet.
Wenn dein Budget begrenzt ist oder du gerade mit dem Tauchen anfängst, nimm Bocas. Wenn du bereits Erfahrung hast und das spektakulärere Wildnis-Erlebnis suchst, nimm Santa Catalina und Coiba.
Und wenn du beides machen kannst, bekommst du wahrscheinlich das beste Taucherlebnis, das Panama zu bieten hat: die farbenfrohe Karibik auf der einen Seite und die wilde, geheimnisvolle Pazifikwelt von Coiba auf der anderen.

