Santa Fe: Das Panama, das viele Reisende nie kennenlernen

Wenn du Panama bereist und nach den Orten suchst, über die jeder spricht, wirst du wahrscheinlich irgendwann in Boquete, Bocas del Toro, El Valle oder San Blas landen. Und das sind ohne Zweifel großartige Reiseziele. Aber wenn du eigentlich etwas anderes suchst, etwas weniger Perfektes, weniger touristisch Organisiertes und deutlich näher am normalen Leben Panamas, dann solltest du einen Ort auf deine Liste setzen, den viele Reisende einfach übersehen: Santa Fe in der Provinz Veraguas. Santa Fe liegt hoch in den Bergen, umgeben von Regenwald, Flüssen, Kaffeeplantagen, kleinen Dörfern und dem riesigen Santa Fe Nationalpark. Die Stadt selbst ist klein, ländlich und erstaunlich unaufgeregt. Genau das ist ihr größter Vorteil. Hier gibt es keine kilometerlange Reihe von Souvenirläden, keine großen Resortanlagen, keine Busladungen voller Tagesausflügler und keine touristische Maschinerie, die dir jede Minute deines Tages verplanen möchte. Santa Fe fühlt sich nicht wie ein Ort an, der für Touristen gebaut wurde. Es fühlt sich an wie ein echter Ort, an dem zufällig Touristen willkommen sind. 

Ein Ort, an dem Panama noch ziemlich echt wirkt

Santa Fe ist eine kleine Berggemeinde mit einer überraschend langen Geschichte. Die Siedlung wurde bereits 1557 gegründet und liegt heute inmitten einer Landschaft, die eher nach abgelegener Forschungsstation als nach klassischem Urlaubsziel aussieht. Rundherum befinden sich Bauernhöfe, Kaffeeplantagen, kleine Landstraßen und Gemeinden, die durch Wanderwege und teilweise sehr einfache Straßen miteinander verbunden sind. Das Leben hier ist stärker vom Wetter, der Landwirtschaft, den Bergen und den Flüssen geprägt als vom internationalen Tourismus. Du kannst morgens in einem kleinen lokalen Restaurant frühstücken, jemanden nach dem Weg zu einem Wasserfall fragen, einen Pickup oder ein Taxi organisieren und plötzlich feststellen, dass dein Tagesprogramm daraus besteht, durch einen Wald zu laufen und in einem Fluss zu schwimmen. Niemand drängt dir zehn verschiedene Aktivitäten auf. Niemand verkauft dir unbedingt ein „Premium Jungle Experience“. Manchmal ist die größte Attraktion einfach die Tatsache, dass du dort bist.

Und dann ist da der Regenwald

Santa Fe National Park ist der eigentliche Grund, warum Naturliebhaber diesen Ort ernst nehmen sollten. Der Park umfasst mehr als 700 Quadratkilometer geschützten Regenwald und gehört zu den weniger erschlossenen Nationalparks Panamas. Die Landschaft ist voller Flüsse, Berge, dichter Wälder, Orchideen, Schmetterlinge und Vögel. Besonders berühmt ist die Region für ihre Wasserfälle. Und hier wird Santa Fe richtig interessant: Es geht nicht um einen einzigen großen Wasserfall mit Parkplatz, Souvenirshop und zehn Reisebussen. In und um Santa Fe gibt es zahlreiche Wasserfälle, darunter Alto de Piedra, Bermejo, Loma Grande und Las Golondrinas, während einige abgelegenere Fälle nur mit lokaler Kenntnis und einem guten Führer erreicht werden können. Alto de Piedra beispielsweise besteht aus drei Wasserfällen, die über einen kurzen Wanderweg miteinander verbunden sind. Bermejo fällt rund 35 Meter durch den Wald und einige der entlegeneren Wasserfälle liegen tief im Hinterland.

Das Abenteuer beginnt schon damit, den Weg zu finden

Das Schöne an Santa Fe ist, dass Natur hier nicht immer sauber in Kategorien wie „leicht“, „mittel“ und „familienfreundlich“ verpackt wurde. Manche Wege sind schlammig. Manche sind steil. Manche sind nach starkem Regen völlig anders als noch eine Woche zuvor. Bei abgelegenen Wasserfällen können lokale Führer sehr sinnvoll sein, und bei einigen Routen ist das Gelände durchaus ernst zu nehmen. Genau das gehört aber zum Charakter der Region. Santa Fe National Park verfügt nicht über die ausgebaute touristische Infrastruktur, die man beispielsweise von stärker besuchten Naturzielen kennt. Die offiziellen Tourismusseiten weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Park nur begrenzt erschlossen ist und dass bei abgelegenen Touren lokale Führer wichtig sein können. Das bedeutet nicht, dass du ein Expeditionsteam brauchst, um Santa Fe zu besuchen. Es bedeutet einfach, dass du manchmal deine Wanderschuhe benutzen musst, statt nur dein Handy herauszunehmen und dem Google Maps Pfeil zu folgen.

Santa Fe ist auch deshalb interessant, weil du Menschen begegnest

Wer wirklich authentische Reiseerlebnisse sucht, sollte nicht nur nach Sehenswürdigkeiten suchen. Man sollte Orte suchen, an denen das alltägliche Leben noch sichtbar ist. In Santa Fe kann ein Besuch auf einer kleinen Farm interessanter sein als ein perfekt inszeniertes Tourismusprogramm. Die Umgebung ist bekannt für Kaffeeanbau, kleine Familienbetriebe und lokale Landwirtschaft. Auf Farmen wie der Finca María y Chon können Besucher sehen, wie ein Teil des Lebens in den Bergen tatsächlich funktioniert. Hier geht es weniger um eine riesige Besucherattraktion und mehr um Menschen, Pflanzen, Landwirtschaft, Geschichten und die Landschaft selbst. Genau diese kleinen Begegnungen sind häufig die Erinnerungen, die nach einer Reise länger bleiben als der hundertste Aussichtspunkt.

Es gibt Cafés und Restaurants. Aber keine touristische Blase

Natürlich bedeutet authentisch nicht, dass du drei Tage lang von Keksen und Leitungswasser leben musst. Santa Fe hat einige kleine Restaurants und Cafés, aber auch hier bleibt alles angenehm überschaubar. Du findest einfache Panamanische Küche, kleine Cafés und lokale Restaurants statt einer kilometerlangen Restaurantmeile. Genau diese Größenordnung ist Teil des Reizes. Du kannst zum Beispiel in einem kleinen Familienrestaurant essen, Kaffee trinken und beobachten, wie der Ort seinem normalen Tagesablauf folgt. Es gibt sogar überraschende kulinarische Ausreißer wie das Restaurant Anachoreo, das in Santa Fe eine eher ungewöhnliche kambodschanisch inspirierte Küche anbietet. Aber selbst solche Angebote fühlen sich hier nicht wie Bestandteile eines riesigen Tourismuskomplexes an.

Und genau deshalb ist Santa Fe ein Geheimtipp

Das Wort „Geheimtipp“ wird beim Reisen inzwischen ziemlich missbraucht. Ein Ort mit 400 Instagram Posts und drei Reiseblogs ist meistens kein Geheimtipp mehr. Santa Fe kommt diesem Begriff aber tatsächlich ziemlich nahe. Die lokale Tourismusorganisation bezeichnet Santa Fe selbst als „off the beaten track“, während Panamas offizielle Tourismusseite die Region ausdrücklich als Ziel für Reisende beschreibt, die traditionelle lokale Küche, Gemeinschaftstourismus und wenig berührte Natur suchen.

Und das Entscheidende ist: Santa Fe versucht nicht verzweifelt, größer zu wirken, als es ist. Es gibt keine künstliche Atmosphäre von „Wir sind das nächste große Panama“. Der Ort ist einfach da. Die Berge sind da. Die Flüsse sind da. Die Bauernhöfe sind da. Der Regenwald ist da. Und wenn es am Nachmittag regnet, regnet es eben. Das kann für Reisende, die an stark entwickelte Urlaubsdestinationen gewöhnt sind, fast ungewohnt sein.

Für wen ist Santa Fe perfekt?

Santa Fe ist besonders interessant für Menschen, die gerne langsam reisen. Für Wanderer, Vogelbeobachter, Fotografen, Naturliebhaber, Abenteurer, Motorradfahrer, Backpacker und alle, die lieber einen kleinen Ort entdecken als eine fertige touristische Erfahrung konsumieren. Es ist auch ein hervorragender Ort für Menschen, die einfach einmal ein paar Tage aus dem klassischen Panama Reiseprogramm ausbrechen möchten. Wenn du schon Panama City, die Strände und vielleicht Boquete gesehen hast, bietet Santa Fe eine völlig andere Seite des Landes. Nicht luxuriöser. Nicht glamouröser. Einfach echter.

Und genau darin liegt der Zauber. Santa Fe ist kein Ort, an dem du ankommst und denkst: „Wow, hier wurde aber viel für Touristen gebaut.“ Du kommst an und denkst eher: „Moment mal, warum habe ich noch nie von diesem Ort gehört?“ Dann hörst du einen Fluss irgendwo hinter den Häusern, siehst Nebel über den Bergen, entdeckst eine Straße, die irgendwo zwischen Kaffeeplantagen verschwindet, und erfährst von einem Wasserfall, von dem du noch nie gehört hast.

Santa Fe ist nicht das Panama, das dir die großen Reiseprospekte verkaufen. Es ist das Panama, das du entdeckst, wenn du ihnen einfach einmal nicht folgst. Und wenn du authentische Erlebnisse, wenig Tourismus und Natur suchst, ist genau das vielleicht einer der besten Gründe, überhaupt hinzufahren.