Wenn man an Schokolade denkt, kommen einem wahrscheinlich zuerst Länder wie die Schweiz, Belgien oder Frankreich in den Sinn. Panama steht auf dieser Liste nicht unbedingt ganz oben. Dabei hat Panama eine ausgesprochen interessante Kakaokultur und vor allem etwas, das für Kakao entscheidend ist: tropisches Klima, viel Regen, fruchtbare Böden und riesige Gebiete mit natürlicher Vegetation. Inzwischen entdecken immer mehr Reisende, dass Panama nicht nur Kaffee, Rum und tropische Früchte zu bieten hat, sondern auch bemerkenswerten Kakao und handwerklich hergestellte Schokolade.
Das Spannende an panamaischer Schokolade ist, dass ihre Geschichte direkt im Regenwald beginnt. Kakao wächst nicht irgendwo in einer Fabrik, sondern an kleinen Bäumen, die in warmen, feuchten Regionen gedeihen. Die Früchte sehen zunächst überhaupt nicht nach Schokolade aus. Sie wachsen direkt am Stamm und an den stärkeren Ästen des Baumes und können je nach Sorte unterschiedliche Farben haben. Im Inneren befinden sich die Kakaobohnen, umgeben von einem süßen, weißen Fruchtfleisch. Erst durch Fermentation, Trocknung, Röstung und Verarbeitung entsteht daraus das Produkt, das wir als Schokolade kennen.
Bocas del Toro und der Kakao
Eine der interessantesten Regionen Panamas für Kakao ist Bocas del Toro. Die feuchte Karibikseite Panamas bietet genau die Bedingungen, die Kakaobäume mögen. Wärme, hohe Luftfeuchtigkeit und reichlich Niederschlag sorgen für eine Umgebung, in der Kakao hervorragend gedeihen kann. Gleichzeitig befindet sich die Landwirtschaft dort in engem Kontakt mit tropischem Wald und verschiedenen indigenen Kulturen.
Für Reisende kann eine Kakaotour deshalb viel interessanter sein, als einfach nur eine Schokoladenfabrik zu besuchen. Man kann sehen, wo die Früchte wachsen, wie sie geerntet werden und wie aus den Bohnen langsam Schokolade entsteht. Besonders überraschend ist für viele Besucher, dass frisches Kakaofruchtfleisch süß und fruchtig schmeckt, während die rohen Kakaobohnen ziemlich bitter sind. Erst die Fermentation und anschließende Röstung entwickeln viele der Aromen, die wir später mit Schokolade verbinden.
Eine sehr alte Beziehung zum Kakao
Kakao ist in Panama keine moderne Erfindung für Touristen. Die Geschichte der Kakaonutzung in Mittelamerika reicht sehr weit zurück und ist eng mit den indigenen Kulturen der Region verbunden. Besonders im Westen Panamas gibt es Gemeinschaften, in denen Kakao Teil traditioneller Landwirtschaft und lokaler Kultur ist.
Das macht Kakao zu einem besonders interessanten Bestandteil einer Panama Reise. Man kauft nicht einfach ein Produkt, das zufällig irgendwo im Land hergestellt wurde. Hinter einer Tafel Schokolade können Landwirtschaft, Regenwald, traditionelle Anbaumethoden, lokale Gemeinschaften und internationale Märkte stehen.
Von der Kakaofrucht zur Tafel
Der Weg von der Frucht zur Schokolade ist erstaunlich lang. Nach der Ernte werden die Früchte geöffnet und die Bohnen zusammen mit ihrem Fruchtfleisch aus dem Inneren genommen. Anschließend werden sie fermentiert. Dieser Schritt ist enorm wichtig, denn während der Fermentation entwickeln sich viele Vorstufen jener Aromen, die später in der Schokolade zu finden sind.
Danach werden die Bohnen getrocknet und geröstet. Durch das Rösten verändert sich der Geschmack erneut. Die Schalen werden entfernt und die Kakaobohnen weiterverarbeitet. Je nach Herstellung können daraus Kakaomasse, Kakaobutter, Kakaopulver und schließlich verschiedene Arten von Schokolade entstehen.
Das bedeutet auch, dass zwei Schokoladen aus derselben Region völlig unterschiedlich schmecken können. Sorte, Anbauort, Fermentation, Trocknung, Röstung und Rezept spielen alle eine Rolle.
Dunkle Schokolade ist nicht einfach nur bitter
Wer hauptsächlich Milchschokolade gewohnt ist, erlebt hochwertige dunkle Schokolade manchmal als völlig neue Welt. Eine gute dunkle Schokolade muss nicht einfach extrem bitter sein. Sie kann fruchtig, nussig, cremig, blumig, würzig oder sogar an Kaffee oder getrocknete Früchte erinnern.
Genau deshalb sprechen Schokoladenliebhaber manchmal ähnlich über Kakao wie Kaffeekenner über Kaffee oder Weinliebhaber über Wein. Die Herkunft der Bohnen kann einen deutlichen Einfluss auf den Geschmack haben.
Und Panama ist dafür besonders interessant, weil das Land auf relativ kleiner Fläche eine enorme Vielfalt an Landschaften besitzt. Kakao aus der feuchten Karibik kann ganz andere Eigenschaften entwickeln als landwirtschaftliche Produkte aus den trockeneren oder höher gelegenen Regionen des Landes.
Panama, Kaffee und Schokolade
Panama ist international vor allem für seinen Spezialitätenkaffee bekannt. Besonders der Kaffee aus den Hochlandregionen rund um Boquete und Volcán hat dem Land weltweit Aufmerksamkeit eingebracht. Wer sich für Spezialitätenkaffee interessiert, entdeckt deshalb schnell eine interessante Parallele zum Kakao.
Bei beiden Produkten geht es zunehmend um Herkunft, Anbaumethode, Verarbeitung und Qualität. Statt einfach nur zu fragen, ob ein Kaffee oder eine Schokolade gut schmeckt, kann man fragen, woher die Bohnen kommen, wie sie verarbeitet wurden und welche Aromen typisch für diese Herkunft sind.
Für Reisende ist das besonders schön, weil Panama diese unterschiedlichen Welten geografisch miteinander verbindet. Man kann morgens Kaffee in den kühleren Bergen trinken und später in einer tropisch feuchten Region Kakaobäume sehen.
Schokolade als Reiseerinnerung
Eine gute Tafel panamaischer Schokolade ist außerdem ein ziemlich perfektes Souvenir. Sie ist klein, leicht zu transportieren und hat tatsächlich einen Bezug zu dem Land, das man gerade bereist hat.
Statt irgendein beliebiges Souvenir zu kaufen, kann man nach Schokolade suchen, auf deren Verpackung die Herkunft des Kakaos angegeben ist. Manche Produkte konzentrieren sich auf einen bestimmten Kakaoanteil, andere kombinieren Kakao mit Kaffee, Nüssen, Früchten oder Gewürzen.
Und natürlich hat Schokolade einen weiteren Vorteil: Man muss nicht warten, bis man wieder zu Hause ist, um das Souvenir zu genießen.
Ein unerwarteter Teil einer Panama Reise
Viele Besucher kommen nach Panama wegen des Panamakanals, der Karibikinseln, der Strände, der Berge, der Tierwelt oder der Regenwälder. Kakao steht wahrscheinlich nicht ganz oben auf der Liste. Genau das macht ihn interessant.
Man kann durch den Regenwald wandern und plötzlich feststellen, dass dort eine der wichtigsten Zutaten für eines der beliebtesten Lebensmittel der Welt wächst. Die Kakaofrucht sieht eher wie eine tropische Frucht aus als wie der Anfang einer Tafel Schokolade. Erst wenn man den gesamten Prozess kennenlernt, wird deutlich, wie viel Arbeit und Wissen zwischen dem Baum und dem fertigen Produkt steckt.
Für Backpacker ist das eine schöne Ergänzung zu den klassischen Panama Erlebnissen. Wer zwischen Panama City, Bocas del Toro, Boquete und den Bergen von Chiriquí unterwegs ist, bekommt nicht nur Strände und Dschungel zu sehen, sondern erlebt auch ganz unterschiedliche Formen von Landwirtschaft und lokale Lebensmittelkultur.
Die Zukunft der Schokolade in Panama
Panama hat bereits einen starken internationalen Ruf für Kaffee und könnte langfristig auch beim Kakao noch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die Voraussetzungen sind vorhanden: tropisches Klima, geeignete Anbaugebiete, Biodiversität, erfahrene Produzenten und Regionen mit einer langen Beziehung zum Kakao.
Besonders interessant ist dabei die Verbindung zwischen hochwertigem Kakao und nachhaltigem Tourismus. Besucher wollen zunehmend wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Eine Kakaofarm kann deshalb gleichzeitig landwirtschaftlicher Betrieb, kulturelles Erlebnis und Naturerlebnis sein.
Vielleicht wird Panama niemals so berühmt für Schokolade wie die Schweiz für ihre Milchschokolade. Das muss es aber auch gar nicht. Die Stärke panamaischer Schokolade liegt gerade darin, dass sie eine Geschichte über tropischen Wald, Landwirtschaft, Menschen und Herkunft erzählen kann.
Und vielleicht ist das die schönste Art, Schokolade in Panama zu erleben: nicht einfach eine Tafel zu kaufen, sondern einmal zurückzuverfolgen, wo sie eigentlich angefangen hat. Bei einem kleinen Baum im feuchten tropischen Wald, mit einer seltsamen bunten Frucht am Stamm, aus der am Ende etwas entsteht, das fast jeder Reisende gerne probiert.

