Panamas wilde Seite: Wo du auf deiner Reise Tiere entdecken kannst

Panama ist eines dieser Länder, in denen man morgens ein Hostel verlassen kann, ohne die geringste Ahnung zu haben, welches Tier man an diesem Tag sehen wird. Vielleicht hängt ein Faultier über dem Wanderweg, ein Tukan fliegt über deinen Kopf hinweg, irgendwo in den Baumkronen rufen Affen und unter einem Blatt versteckt sich ein winziger Frosch. Und dann steigt man in ein Boot und wenige Stunden später hält man Ausschau nach Delfinen, Meeresschildkröten, Rochen oder Haien. Für ein vergleichsweise kleines Land besitzt Panama eine erstaunliche Vielfalt an Lebensräumen und eine beeindruckende Tierwelt, die sich über Regenwälder, Berge, Flüsse, Inseln und gleich zwei Küsten erstreckt.

Das Faszinierende für Backpacker ist, dass man nicht unbedingt eine teure Safari buchen muss, um Tiere zu sehen. Die Tierwelt Panamas ist nicht auf einen einzigen großen Nationalpark beschränkt. Sie befindet sich überall. Man kann beim Wandern plötzlich einem Faultier begegnen, am Straßenrand einen Tukan entdecken, während einer Bootsfahrt Delfine sehen oder nachts mit einer Taschenlampe durch den Nebelwald laufen und eine winzige Kreatur entdecken, die tagsüber vollkommen unsichtbar gewesen wäre.

Einer der besten Orte für den Einstieg liegt überraschenderweise direkt in Panama City. Der Metropolitan Natural Park befindet sich mitten in der Hauptstadt und schützt ein Stück tropischen Waldes, das sich erstaunlich nah an den Wolkenkratzern befindet. Auf den Wanderwegen kann man nach Affen, Faultieren, Tukanen, Motmots, Spechten und zahlreichen anderen Vogelarten Ausschau halten. Das Besondere ist der Kontrast. Am Morgen läuft man durch echten tropischen Wald und wenig später steht man wieder zwischen den Hochhäusern von Panama City.

Wer noch tiefer in den Regenwald möchte, sollte den Soberanía National Park besuchen. Er liegt nicht weit von Panama City entfernt, fühlt sich aber schon wesentlich abgeschiedener an. Einer der berühmtesten Wege ist die Pipeline Road, die besonders unter Vogelbeobachtern bekannt ist. Hier wurden außergewöhnlich viele Vogelarten registriert, darunter Tukane, Trogone, Motmots, Spechte, Falken und unzählige kleinere tropische Vögel.

Man muss allerdings kein begeisterter Ornithologe sein, um die Gegend zu genießen. Sobald man anfängt, bewusst nach Vögeln zu suchen, verändert sich der gesamte Wald. Aus einer scheinbar endlosen grünen Wand werden plötzlich einzelne Bewegungen, Farben und Formen. Ein leuchtend gelber Vogel sitzt zwischen den Blättern, irgendwo flattert ein blauer Vogel durch die Baumkronen und plötzlich hört man einen lauten Ruf direkt über sich.

Auch Säugetiere sind im Soberanía National Park zu finden. Affen können sich hoch oben in den Bäumen bewegen und sich lange bemerkbar machen, bevor man sie überhaupt entdeckt. Faultiere sind erstaunlich schwer zu erkennen, obwohl sie eigentlich gar nicht so klein sind. Ihre langsamen Bewegungen und ihr Fell verschmelzen perfekt mit der Vegetation.

Weiter westlich verändert sich die Landschaft erneut. Rund um Fortuna und die Berge von Chiriquí beginnt die Welt des Nebelwaldes. Die Temperaturen werden angenehmer, die Luft feuchter und die Vegetation noch dichter. Hier wird die Suche nach kleinen Tieren besonders interessant. Moose, Bromelien, Orchideen und Farne bedecken die Bäume, während Frösche, Insekten und andere kleine Lebewesen zwischen den Pflanzen leben.

Fortuna ist auch ein fantastischer Ort für eine Nachtwanderung. Sobald die Sonne untergeht, verändert sich der Wald komplett. Die Tiere, die tagsüber aktiv sind, ziehen sich zurück und nachtaktive Arten beginnen sich zu bewegen. Frösche beginnen zu rufen, Insekten werden aktiv und plötzlich können sich überall im Wald kleine Bewegungen zeigen.

Beim Lost and Found Hostel kann man beispielsweise für etwa 10 Dollar an einer geführten Nachtwanderung teilnehmen. Mit einer Taschenlampe und einer erfahrenen Begleitung geht es nach Einbruch der Dunkelheit in den Wald. Der große Vorteil einer Führung besteht darin, dass ein geschultes Auge Dinge entdeckt, die man selbst wahrscheinlich übersehen würde. Was wie ein gewöhnliches Blatt aussieht, kann bei genauerem Hinsehen ein perfekt getarnter Frosch sein. Ein Schatten im Gebüsch könnte ein Insekt, eine Spinne oder ein anderes nachtaktives Tier sein.

Dann gibt es Coiba, und hier erreicht die Tierwelt noch einmal eine andere Dimension. Der Coiba National Park gehört zu den bedeutendsten Naturgebieten Panamas und ist UNESCO Welterbe. Die jahrzehntelange Isolation der Inseln hat dazu beigetragen, dass sich dort eine außergewöhnliche Tierwelt entwickeln konnte.

Besonders unter Wasser wird Coiba spektakulär. Taucher und Schnorchler können auf Rochen, Meeresschildkröten, Haie, riesige Fischschwärme und zahlreiche andere Meerestiere treffen. Die Gewässer rund um Coiba gehören zu den biologisch interessantesten Meeresgebieten des östlichen tropischen Pazifiks.

Auch an Land gibt es Tiere, die Coiba besonders machen. Auf der Insel leben unter anderem endemische Arten wie der Coiba Brüllaffe, die nur in diesem Teil der Welt vorkommen. Dazu kommen Leguane, Krokodile und zahlreiche Vogelarten. Gerade diese Mischung aus Isolation, dichtem Wald und außergewöhnlicher Meeresfauna macht Coiba für Naturliebhaber so faszinierend.

Die Pazifikküste rund um Santa Catalina bietet ebenfalls hervorragende Möglichkeiten, Tiere zu beobachten. Wer dort unterwegs ist, kann die Tage mit Surfen verbringen und gleichzeitig Ausflüge aufs Meer unternehmen. Je nach Jahreszeit können Delfine, Meeresschildkröten, Rochen und zahlreiche Fischarten beobachtet werden. Während bestimmter Monate ziehen auch Buckelwale durch die pazifischen Gewässer Panamas.

Dann gibt es Bocas del Toro auf der Karibikseite. Die Landschaft ist völlig anders. Statt des offenen Pazifiks findet man warme karibische Gewässer, Inseln, Mangroven, Korallenriffe und dicht bewachsene Küsten. Wer mit einem Kajak durch die Mangroven paddelt, erlebt eine faszinierende Übergangswelt zwischen Land und Meer. Fische bewegen sich zwischen den Wurzeln, Vögel sitzen am Ufer und zahlreiche junge Meerestiere nutzen die geschützten Gewässer.

Auch die Wälder der Inseln sind interessant. Faultiere, Affen, Frösche und tropische Vögel können in den Bäumen entdeckt werden. Gerade weil viele Orte in Bocas nur per Boot erreichbar sind, wird bereits die Fahrt selbst zu einem Teil des Abenteuers. Man weiß nie genau, was während der nächsten Überfahrt aus dem Wasser auftauchen könnte.

Ein wichtiger Tipp für alle, die in Panama Tiere sehen möchten, ist erstaunlich einfach: Schau nach oben. Backpacker konzentrieren sich beim Wandern oft auf den Boden, weil sie auf ihre Schritte achten. Doch ein großer Teil der Tierwelt befindet sich über ihnen. Affen können hoch oben in den Baumkronen sitzen, Tukane auf Ästen warten und Faultiere zwischen Blättern hängen.

Noch wichtiger ist es, langsam zu werden. Bleib gelegentlich stehen. Hör zu. Schau in die Bäume. Warte ein paar Minuten. Je länger man an einer Stelle bleibt, desto mehr beginnt sich der Wald zu bewegen. Viele Tiere sind nicht verschwunden. Man hat sie einfach noch nicht bemerkt.

Und man sollte die kleinen Tiere niemals unterschätzen. Panama ist voller Insekten und anderer winziger Lebewesen, die beinahe wie Science Fiction aussehen. Stabheuschrecken können wie Zweige aussehen, Blattschrecken verschwinden optisch in der Vegetation und riesige Käfer werden nachts aktiv. Bunte Frösche sitzen unter Blättern und Spinnen bauen Netze zwischen den Bäumen.

Gerade deshalb sind Nachtwanderungen so faszinierend. Die Dunkelheit zwingt einen dazu, genauer hinzusehen. Der Lichtkegel der Taschenlampe beleuchtet nur einen winzigen Teil des Waldes und plötzlich wird dieser kleine Bereich zu einer eigenen Welt.

Natürlich kann man eine Reise durch Panama komplett um bestimmte Tiere herum planen und trotzdem Pech haben. Man kann stundenlang nach einem Faultier suchen und keines entdecken. Und dann läuft man am nächsten Morgen völlig unvorbereitet einen gewöhnlichen Weg entlang und plötzlich hängt eines direkt über dem Kopf.

Genau diese Überraschungen machen die Tierwelt Panamas so besonders. Ein Faultier neben einem Wanderweg. Eine Gruppe von Affen über dem Kopf. Ein Tukan auf einem Baum am Straßenrand. Ein Krokodil an einem Fluss. Ein Kolibri, der nur wenige Zentimeter entfernt schwebt. Eine Meeresschildkröte, die neben dem Boot auftaucht. Ein Wal, der plötzlich am Horizont erscheint.

Von den Wäldern des Metropolitan Natural Park und des Soberanía National Park über die Nebelwälder von Fortuna, die Gewässer von Coiba, die Pazifikküste bei Santa Catalina bis zu den karibischen Inseln von Bocas del Toro kann man in Panama eine komplette Backpackingreise rund um die Tierwelt aufbauen.

Und das vielleicht Schönste daran ist, dass man nicht immer auf der Suche sein muss.

Manchmal reicht es, langsam zu gehen, nach oben zu schauen und sich daran zu erinnern, dass der Wald voller Leben ist, auch wenn man es nicht sofort sieht.