Santa Catalina ist einer dieser Orte in Panama, bei denen schon die Anreise ein kleines Abenteuer ist. Es ist nicht Bocas del Toro mit seinen Wassertaxis, Hostels und Partys an jeder Ecke und auch nicht Boquete mit seinen Cafés, Kaffeeplantagen und kühleren Bergen. Santa Catalina liegt an der Pazifikküste von Veraguas und fühlt sich kleiner, ruhiger und deutlich ursprünglicher an. Man kommt hierher wegen der Wellen, wegen des Meeres, wegen der Natur und vor allem wegen des spektakulären Coiba National Park. Und wenn man einmal angekommen ist, merkt man schnell, warum viele Reisende ihren Aufenthalt verlängern.
Das absolute Highlight ist für viele Besucher ein Ausflug nach Coiba. Von Santa Catalina aus fahren Boote hinaus in den Pazifik und bringen Reisende in eine der beeindruckendsten Naturregionen Panamas. Der Nationalpark besteht aus zahlreichen Inseln und einer riesigen Meeresfläche und ist besonders für seine außergewöhnliche Unterwasserwelt bekannt. Beim Schnorcheln oder Tauchen kann man je nach Bedingungen Meeresschildkröten, Rochen, Haie, Delfine, riesige Fischschwärme und unzählige kleinere tropische Fische sehen. Schon die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis. Irgendwann verschwindet die Küste hinter einem und plötzlich ist rundherum nur noch der Pazifik.
Wer nicht taucht, sollte sich deshalb keinesfalls denken, dass Coiba nichts für ihn ist. Schnorcheln ist eine der besten Möglichkeiten, den Park zu erleben. Man braucht keine Tauchausbildung und muss kein Profi sein. Maske auf, ins Wasser und schon befindet man sich in einer völlig anderen Welt. Besonders aufregend wird es, wenn unter einem plötzlich ein größerer Fischschwarm vorbeizieht oder eine Meeresschildkröte ganz entspannt durch das Wasser gleitet. Für viele Backpacker ist ein ganzer Tag in Coiba eines der Erlebnisse, für das sich die Reise nach Santa Catalina allein schon lohnt.
Für erfahrene Taucher ist Santa Catalina natürlich noch interessanter. Die Gewässer rund um Coiba sind für ihre große Artenvielfalt und Begegnungen mit größeren Meerestieren bekannt. Abhängig von Jahreszeit, Wetter und Meeresbedingungen können Haie, Rochen, Schildkröten und große Fischschwärme Teil des Tauchgangs sein. Das Meer entscheidet hier allerdings gerne selbst, wie der Tag aussieht. Genau deshalb sollte man bei einem kurzen Aufenthalt nicht alles auf einen einzigen geplanten Bootstag setzen. Ein zusätzlicher Tag kann den Unterschied zwischen „Schade, heute fährt das Boot nicht“ und einem fantastischen Taucherlebnis ausmachen.
Und dann gibt es natürlich Surfen. Santa Catalina ist international vor allem wegen seiner Wellen bekannt. Die berühmte La Punta gilt als ernstzunehmender Surfspot und zieht erfahrene Surfer aus aller Welt an. Wenn die Bedingungen stimmen, kann der Pazifik hier ordentlich Energie entwickeln. Für Anfänger ist das allerdings nicht unbedingt der Ort, an dem man einfach ein Brett nimmt und direkt ins Wasser springt. Dafür gibt es andere Bereiche wie Playa Estero, wo Surfanfänger wesentlich bessere Bedingungen finden können. Eine Surfstunde kann hier der Beginn einer neuen Obsession sein. Man fällt zunächst ungefähr hundertmal vom Brett, steht irgendwann für drei Sekunden auf und ist danach überzeugt, dass man eigentlich schon immer Surfer war.
Wer überhaupt nicht surfen möchte, kann trotzdem einen Teil der Surfkultur genießen. An manchen Tagen kann man einfach am Strand sitzen und den Profis und erfahrenen Surfern zuschauen. Das ist erstaunlich unterhaltsam, besonders wenn die Wellen groß werden. Und es hat den angenehmen Nebeneffekt, dass man sich selbst nicht ins Wasser begeben muss, um zu erkennen, dass man vermutlich noch nicht bereit für La Punta ist.
Santa Catalina ist aber nicht nur Surfen und Coiba. Die Strände sind ein eigener Grund für die Reise. Man kann einen halben Tag damit verbringen, einfach am Pazifik zu sitzen, schwimmen zu gehen, ein Buch zu lesen oder unter einer Palme zu liegen. Das klingt vielleicht nicht nach einer spektakulären Aktivität, aber genau das gehört zum Charakter des Ortes. Santa Catalina ist kein Reiseziel, bei dem man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzen muss. Das Meer ist die Hauptattraktion und manchmal besteht der beste Plan darin, überhaupt keinen Plan zu haben.
Auch Kajakfahren und Stand Up Paddling sind schöne Möglichkeiten, die Küste einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben. Auf dem Wasser sieht Santa Catalina noch einmal anders aus. Felsen, Strände, Dschungel und kleine Buchten ziehen langsam an einem vorbei, während man sich aus eigener Kraft bewegt. Besonders angenehm ist das an ruhigeren Tagen, wenn der Pazifik seine wilde Seite etwas zurückhält.
Wer gerne Tiere beobachtet, sollte die Umgebung nicht unterschätzen. Die Wälder und Küstenregionen rund um Santa Catalina beherbergen zahlreiche Vogelarten, Reptilien, Amphibien und andere tropische Tiere. Auf dem Wasser kommen natürlich noch die Meerestiere dazu. Delfine können während Bootstouren auftauchen, Meeresschildkröten werden regelmäßig gesehen und in den richtigen Monaten kann man sogar Buckelwale beobachten. Von etwa Juli bis Oktober ziehen Buckelwale durch die Gewässer vor Panamas Pazifikküste, und eine Begegnung mit einem solchen Tier im offenen Meer ist schwer zu toppen.
Auch Wandern und Naturerkundung gehören zu Santa Catalina. Man muss nicht unbedingt eine riesige Wanderung unternehmen. Schon kleinere Wege und Spaziergänge können interessante Begegnungen mit der tropischen Natur bringen. Das Wichtigste ist, langsam zu gehen und die Umgebung wirklich anzuschauen. In Panama kann das interessanteste Tier oft genau neben dem Weg sitzen, während zehn Leute daran vorbeilaufen, weil sie gerade auf ihr Handy schauen.
Ein weiterer schöner Teil der Reise ist es, einfach Santa Catalina selbst zu erkunden. Das Dorf ist relativ klein und man bekommt schnell ein Gefühl dafür. Surfbretter stehen vor Unterkünften, Boote kommen und gehen, Reisende sitzen beim Essen zusammen und Fischer sind unterwegs. Es fühlt sich nicht wie ein riesiger Ferienort an, der ausschließlich für Touristen gebaut wurde. Genau diese einfache Atmosphäre macht einen Teil des Reizes aus.
Nach einem langen Tag auf dem Wasser gehört natürlich gutes Essen dazu. In Santa Catalina findet man Restaurants und kleine Lokale mit Fisch, Meeresfrüchten, Ceviche und anderen Gerichten. Nach mehreren Stunden Surfen oder einem Tag auf einem Boot schmeckt selbst ein einfaches Essen plötzlich unglaublich gut. Dazu ein kaltes Getränk, ein Tisch mit anderen Reisenden und der Blick auf den Pazifik und man merkt wieder, warum man eigentlich nach Panama gekommen ist.
Auch der Sonnenuntergang sollte auf der Liste stehen. Der Pazifik liefert am Abend häufig eine spektakuläre Kulisse, und nach einem Tag voller Aktivitäten ist es angenehm, einfach irgendwo zu sitzen und zuzuschauen, wie die Sonne langsam verschwindet. Santa Catalina ist nicht unbedingt der Ort für ein riesiges Nachtleben wie Bocas del Toro. Abends geht es eher darum, etwas zu essen, etwas zu trinken, andere Reisende kennenzulernen und Geschichten über die Erlebnisse des Tages auszutauschen.
Genau das macht Santa Catalina für Backpacker interessant. Hier geht es weniger darum, jeden Abend die nächste große Party zu finden, und mehr darum, tagsüber draußen zu sein. Man lernt andere Reisende beim Surfen, Tauchen, Schnorcheln oder auf Bootstouren kennen. Jemand erzählt von einer guten Welle, jemand anderes von einem Hai bei Coiba und plötzlich plant die ganze Gruppe den nächsten Ausflug.
Wenn man ein paar Tage Zeit hat, würde ich mindestens drei Nächte einplanen, besonders wenn Coiba wichtig ist. Wer tauchen, surfen und gleichzeitig etwas Ruhe genießen möchte, kann problemlos länger bleiben. Bei Aktivitäten auf dem Meer sollte man außerdem immer etwas flexibel sein, denn Wetter und Wellengang können die Pläne beeinflussen.
Santa Catalina ist letztendlich kein Ort, an den man wegen einer langen Liste von Sehenswürdigkeiten kommt. Man kommt wegen einiger wirklich außergewöhnlicher Erlebnisse: morgens auf den Pazifik schauen, später eine Welle erwischen, am nächsten Tag mit Schildkröten schnorcheln, vielleicht einen Hai sehen, durch tropische Natur laufen, frischen Fisch essen und abends den Sonnenuntergang beobachten.
Santa Catalina ist wild, entspannt und abenteuerlich zugleich. Es ist ein Ort für Menschen, die lieber auf einem Surfbrett stehen als in einem Einkaufszentrum herumlaufen, lieber einen Tag auf dem Meer verbringen als einen Tag in einem Reisebus und lieber ein paar außergewöhnliche Erlebnisse haben als zwanzig Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Und genau deshalb gehört Santa Catalina für viele Backpacker zu den spannendsten Stopps auf einer Reise durch Panama.

