Wenn man an Panama denkt, kommen einem wahrscheinlich zuerst tropische Inseln, türkisblaues Wasser, Palmen und heiße Strände in den Sinn. Boquete ist das komplette Gegenteil und genau deshalb so interessant. Hier oben in den Bergen von Chiriquí fühlt sich Panama plötzlich völlig anders an. Die Luft ist angenehm kühl, morgens hängen Wolken zwischen den Bergen, überall wachsen Pflanzen, Kaffee und Blumen und hinter jeder Kurve beginnt ein neues kleines Abenteuer. Für Backpacker ist Boquete deshalb weit mehr als nur ein hübsches Bergstädtchen. Es ist ein Ort, an dem man ein paar Tage verbringen kann und am Ende wahrscheinlich länger bleibt als geplant.
Boquete liegt in den Bergen nahe dem Vulkan Barú und ist von einer spektakulären Landschaft umgeben. Während andere Teile Panamas tagsüber heiß und schwül sein können, braucht man hier abends manchmal tatsächlich einen Pullover. Besonders nach einem langen Wandertag fühlt sich die kühle Bergluft fantastisch an. Das Wetter kann allerdings ziemlich verrückt sein. Sonnenschein kann innerhalb kurzer Zeit in Nebel oder einen kräftigen Regenschauer übergehen. Für Backpacker bedeutet das: Regenjacke einpacken und einfach weitermachen. Schließlich gehört ein bisschen Schlamm zum Abenteuer.
Einer der besten Gründe, nach Boquete zu kommen, sind die Wanderungen. Die Umgebung ist voller Wege durch Nebelwald, Berge und abgelegene Täler. Einer der bekanntesten Ausflüge führt zu den Lost Waterfalls. Der Weg führt durch dichten grünen Wald und vorbei an mehreren Wasserfällen, die perfekt für eine Pause und eine Abkühlung sind. Es ist genau die Art von Wanderung, bei der man morgens noch denkt, man mache nur einen gemütlichen Spaziergang, und einige Stunden später feststellt, dass die Schuhe voller Schlamm sind und die Beine überraschend schwer werden.
Für diejenigen, die eine größere Herausforderung suchen, wartet der Vulkan Barú. Mit über 3.400 Metern ist er der höchste Punkt Panamas. Der Aufstieg ist kein kleiner Spaziergang und sollte ernst genommen werden, aber für abenteuerlustige Backpacker ist die Aussicht ein unglaublicher Lohn. Besonders berühmt ist der Sonnenaufgang. Dafür beginnt die Tour meistens mitten in der Nacht. Während der Rest der Welt noch schläft, kämpft man sich im Dunkeln den Berg hinauf und hofft, dass die Wolken am Gipfel mitspielen. Wenn das Wetter klar ist, kann man von oben weit über Panama blicken.
Boquete ist außerdem ein Paradies für Kaffeefans. Die Berge rund um die Stadt bieten ideale Bedingungen für den Kaffeeanbau und einige der bekanntesten Kaffees Panamas stammen aus dieser Region. Eine Kaffeetour ist deshalb eine der Aktivitäten, die man nicht einfach als langweiligen Besuch einer Plantage abtun sollte. Man bekommt einen Einblick in den Anbau, die Ernte, Verarbeitung und Röstung und versteht plötzlich, warum manche Kaffees deutlich mehr kosten als andere. Und natürlich gibt es am Ende den wichtigsten Teil der Tour: trinken.
Auch für Naturliebhaber ist Boquete ein Volltreffer. Die Wälder rund um die Stadt sind voller Vögel und anderer Tiere. Mit etwas Glück entdeckt man Kolibris, Tukane und mit viel Glück sogar einen Quetzal. Wer früh aufsteht, hat die besten Chancen, die Tierwelt in Aktion zu erleben. Und wer eigentlich überhaupt kein Interesse an Vögeln hat, wird nach ein paar Tagen wahrscheinlich trotzdem anfangen, jedes bunte Tier zu fotografieren und andere Backpacker zu fragen: „Weißt du, was das für einer ist?“
Wer mehr Adrenalin möchte, findet ebenfalls genügend Möglichkeiten. Die Flüsse rund um Boquete bieten hervorragende Bedingungen für Rafting. Dazu kommen Canyoning, Ziplining, Reitausflüge und weitere Outdoor Aktivitäten. Man kann morgens durch den Nebelwald wandern, nachmittags einen Fluss hinunterrasen und abends mit einer Gruppe anderer Reisender irgendwo sitzen und versuchen herauszufinden, warum eigentlich jeder Muskel im Körper weh tut.
Und dann ist da noch Boquete selbst. Die Stadt ist klein genug, um sie problemlos zu Fuß zu erkunden, aber groß genug, dass einem nicht sofort langweilig wird. Es gibt Cafés, Restaurants, Bars, Bäckereien, kleine Geschäfte und viele Orte, an denen man einfach sitzen und das Leben beobachten kann. Nach ein paar Tagen voller Wanderungen und Abenteuer ist genau diese Mischung angenehm. Man muss nicht jeden Tag um sechs Uhr morgens aufstehen und einen Berg besteigen.
Für Backpacker ist besonders die soziale Atmosphäre interessant. In den Hostels trifft man Reisende aus aller Welt, die meistens gerade irgendeine Art von Abenteuer planen. Beim Frühstück wird über Wanderwege gesprochen, beim Abendessen über die beste Kaffeefarm und irgendwann fragt jemand, ob man am nächsten Morgen gemeinsam losziehen möchte. Genau solche spontanen Pläne sind oft die besten Erinnerungen einer Reise. Man kommt alleine nach Boquete und steht zwei Tage später plötzlich mit fünf Leuten irgendwo im Wald.
Boquete lässt sich auch hervorragend in eine größere Backpacking Reise durch Panama einbauen. Wer aus Panama City kommt, kann über die Berge Richtung Westen reisen und anschließend weiter nach Bocas del Toro fahren. Wer nicht direkt von Boquete nach Bocas hetzen möchte, kann die Reise unterwegs unterbrechen und beispielsweise ein paar Nächte im Lost and Found Hostel verbringen. Dadurch wird die Strecke selbst zum Teil der Reise und nicht nur eine lästige Busfahrt zwischen zwei bekannten Destinationen.
Was Boquete besonders macht, ist die Mischung. Es ist gleichzeitig Abenteuerziel, Kaffeegebiet, Wanderparadies, Bergstadt und sozialer Treffpunkt für Reisende. Man kann morgens einen anspruchsvollen Trail machen, nachmittags in einem Café sitzen und abends mit anderen Backpackern ein Bier trinken. Oder man kann die ganze Zeit unterwegs sein und versuchen, so viele Aktivitäten wie möglich in wenige Tage zu packen.
Boquete ist deshalb besonders für Backpacker interessant, die mehr wollen als nur Strand. Hier gibt es keine endlose Reihe von Resorts und man verbringt seine Tage nicht ausschließlich auf einer Sonnenliege. Stattdessen gibt es Berge, Nebelwald, Wasserfälle, wilde Flüsse, Kaffeeplantagen, Vögel und jede Menge Möglichkeiten, sich körperlich ein bisschen zu fordern.
Und vielleicht ist genau das der Reiz von Boquete. Panama zeigt hier eine völlig andere Seite. Es ist grün, kühl, wild und manchmal ein bisschen chaotisch. Die Berge verschwinden im Nebel, irgendwo rauscht ein Fluss durch den Wald und fünf Minuten später steht man wieder in einem kleinen Café mit einem fantastischen Kaffee vor sich.
Wenn du durch Panama backpackst, solltest du Boquete deshalb nicht einfach als Zwischenstopp behandeln. Bleib ein paar Tage, geh wandern, probiere den Kaffee, such nach Quetzals, fahr Rafting, triff andere Reisende und lass dich ein bisschen vom Bergleben treiben. Du wirst vielleicht feststellen, dass Boquete nicht der Ort ist, an dem du eigentlich bleiben wolltest, sondern der Ort, an dem du plötzlich länger bleibst.

