Panama ist eines dieser Länder, die auf einer Landkarte erstaunlich klein aussehen und sich auf einer Reise plötzlich riesig anfühlen. Der Grund dafür ist die unglaubliche Vielfalt. Innerhalb relativ kurzer Entfernungen verändert sich die Landschaft komplett. Eben noch stehst du zwischen den Wolkenkratzern von Panama City, kurz darauf läufst du durch tropischen Regenwald, einige Tage später sitzt du mit einem Bier an einem karibischen Strand und danach findest du dich in den kühlen Bergen von Chiriquí wieder. Dazu kommen der Pazifik, Inseln, Vulkane, Kaffeeplantagen, Flüsse, Wasserfälle, indigene Kulturen und eine Tierwelt, die selbst erfahrene Naturfreunde immer wieder überrascht.
Panama eignet sich deshalb hervorragend für Reisende, die nicht einfach zwei Wochen an einem einzigen Strand liegen möchten. Man kann hier Städte, Geschichte, Natur, Abenteuer, Strände und Nachtleben miteinander verbinden. Gleichzeitig ist Panama klein genug, dass man nicht ständig stundenlang im Flugzeug sitzen muss. Genau diese Mischung macht das Land für Backpacker so interessant.
Panama City: Moderne Metropole und tropischer Dschungel
Für die meisten Reisenden beginnt die Reise in Panama City. Die Hauptstadt ist wahrscheinlich der erste Moment, in dem man merkt, dass Panama anders ist als viele andere Länder Mittelamerikas. Zwischen riesigen modernen Gebäuden, Einkaufszentren, Restaurants und Geschäftsvierteln liegt eine Stadt, die gleichzeitig sehr tropisch wirkt.
Der Panama Kanal gehört natürlich zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Selbst wenn man seine Geschichte bereits aus der Schule kennt, ist es etwas völlig anderes, wenn plötzlich ein riesiges Containerschiff vor einem durch die Schleusen bewegt wird. Man bekommt ein Gefühl dafür, welche unglaubliche Bedeutung dieser künstliche Wasserweg für den Welthandel besitzt.
Danach kann man in eine völlig andere Welt wechseln und durch Casco Viejo spazieren. Der historische Stadtteil ist voller alter Kirchen, Plätze, kolonialer Gebäude, kleiner Cafés, Restaurants und Bars. Besonders am späten Nachmittag und Abend ist die Gegend interessant. Die historische Architektur wird langsam von den Lichtern der modernen Skyline im Hintergrund ergänzt.
Und dann kommt etwas, das viele Besucher anfangs unterschätzen: Panama City liegt praktisch neben dem Regenwald. Man muss nicht mehrere Tage ins Landesinnere reisen, um tropische Natur zu erleben. Rund um die Hauptstadt gibt es verschiedene Naturgebiete und Nationalparks, in denen man Vögel, Affen und andere Tiere beobachten kann.
Bocas del Toro: Das karibische Panama
Wer von Panama City oder dem Festland Richtung Bocas del Toro reist, erlebt einen kompletten Szenenwechsel.
Bocas Town liegt direkt am Wasser und Boote gehören dort praktisch zum öffentlichen Nahverkehr. Anstatt überall mit dem Auto hinzufahren, steigt man einfach in ein Wassertaxi und fährt zur nächsten Insel oder zum nächsten Strand.
Bocas del Toro ist eine Mischung aus tropischer Natur, karibischer Kultur, Stränden, Surfen, Schnorcheln, kleinen Restaurants und einem sehr internationalen Backpacker Publikum. Isla Colón ist das Zentrum, aber ein großer Teil des Reizes liegt darin, die umliegenden Inseln zu erkunden.
Red Frog Beach ist bekannt, Starfish Beach ist berühmt für seine Seesterne und Bluff Beach bietet eine deutlich wildere Küste. Dazu kommen Schnorchelausflüge, Delfinbeobachtungen, Kajakfahren, Tauchen und jede Menge Möglichkeiten, einfach irgendwo am Wasser herumzusitzen.
Bocas ist außerdem einer der Orte in Panama, an denen man besonders leicht andere Reisende kennenlernt. Wer alleine unterwegs ist, merkt oft schon nach einem Tag, dass man plötzlich mit Leuten aus fünf verschiedenen Ländern am selben Tisch sitzt.
Und genau hier beginnt das klassische Backpacker Problem: Man plant drei Nächte und bleibt plötzlich sieben.
Boquete: Berge, Kaffee und frische Luft
Nach den tropischen Inseln von Bocas kann Boquete fast wie ein anderes Land wirken. Die Stadt liegt hoch in den Bergen von Chiriquí und ist für ihr angenehmes Klima, die Landschaft und den Kaffee bekannt.
Die Region ist besonders interessant für Menschen, die gerne wandern. Es gibt Bergwege, Wasserfälle, Flüsse und Nebelwälder. Früh am Morgen kann sich der Nebel durch die Berge bewegen und innerhalb weniger Minuten kann sich die Landschaft komplett verändern.
Kaffee ist ein weiterer Grund für einen Besuch. In den Bergen rund um Boquete wird hochwertiger Kaffee produziert, und eine Tour durch eine Kaffeeplantage zeigt, wie viel Arbeit tatsächlich hinter einer einzigen Tasse steckt.
Wer richtig hoch hinaus möchte, kann sich mit dem Volcán Barú beschäftigen. Mit 3.474 Metern ist er der höchste Punkt Panamas und bietet bei guten Bedingungen spektakuläre Aussichten.
Lost and Found: Dschungel zwischen Boquete und Bocas
Auf der Strecke zwischen Boquete und Bocas del Toro gibt es einen ganz anderen Grund, die Berge nicht einfach nur zu durchqueren. In Hornito liegt das Lost and Found Hostel mitten in der Bergwelt und bietet eine Mischung aus Hostel, Naturerlebnis und Abenteuer.
Hier geht es nicht darum, einfach nur ein Bett für die Nacht zu finden. Das Gelände liegt im Wald und bietet Wanderwege, Wasserfälle, viele Hängematten, Gemeinschaftsbereiche und zahlreiche Möglichkeiten, die Natur zu erleben.
Für Naturliebhaber ist besonders die Tierwelt interessant. Rund um das Gelände können Weißgesicht Kapuzineraffen, Faultiere, Agutis und andere Tiere beobachtet werden. Dazu kommen unzählige Vögel, Schmetterlinge und Insekten. Nach Sonnenuntergang verändert sich der Wald komplett.
Der geführte Nachtspaziergang ist deshalb eine ganz andere Erfahrung als eine Wanderung am Tag. Plötzlich werden Tiere sichtbar, die man sonst kaum bemerkt. Frösche, Spinnen, Skorpione, Schlangen und andere nachtaktive Lebewesen tauchen im Licht der Taschenlampen auf.
Gleichzeitig ist Lost and Found kein ruhiger Luxus Rückzugsort. Die Atmosphäre ist sozial und abenteuerlich. Gemeinsames Abendessen, Spiele, die Bar, Hängematten und Reisende aus aller Welt sorgen dafür, dass man ziemlich schnell Leute kennenlernt. Für Backpacker ist es eine interessante Unterbrechung zwischen den bekannten Zielen Boquete und Bocas.
Santa Catalina und die Pazifikküste
Panama besitzt nicht nur eine spektakuläre Karibikküste. Auch die Pazifikseite hat einige hervorragende Reiseziele.
Santa Catalina ist vor allem unter Surfern bekannt und gleichzeitig Ausgangspunkt für Ausflüge zum Parque Nacional Coiba. Der Ort selbst ist relativ klein und besitzt eine ganz andere Atmosphäre als Panama City oder Bocas.
Hier geht es stärker um Meer, Wellen, Natur und Abstand vom hektischen Alltag. Surfen ist natürlich die Hauptattraktion, aber auch Schnorcheln, Tauchen, Bootsausflüge und Angeln sind beliebt.
Coiba gehört zu den beeindruckendsten Naturgebieten Panamas. Unter Wasser wartet eine faszinierende Welt aus Korallenriffen und tropischer Meeresfauna. Wer gerne taucht oder schnorchelt, findet hier einige der interessantesten Gewässer des Landes.
Playa Venao: Surfen und Backpacker Atmosphäre
Playa Venao ist ein weiterer beliebter Ort an der Pazifikküste. Der lange Strand, die Wellen und die entspannte Atmosphäre haben den Ort zu einem bekannten Treffpunkt für Surfer und junge Reisende gemacht.
Man kann morgens surfen, mittags etwas essen, nachmittags am Strand liegen und abends den Sonnenuntergang beobachten. Es ist weniger eine Destination, bei der man jeden Tag zehn Sehenswürdigkeiten abhaken muss. Das Leben am Meer ist selbst die Aktivität.
Für Backpacker ist Playa Venao besonders interessant, weil es eine gute Mischung aus Strand, Surfen, sozialem Leben und kleinen Unterkünften bietet.
San Blas: Kleine Inseln und indigene Kultur
San Blas, offiziell Guna Yala, gehört zu den berühmtesten Landschaften Panamas.
Winzige Inseln, weiße Sandstrände, Palmen und klares türkisfarbenes Wasser sorgen für eine Landschaft, die fast unrealistisch aussieht. Einige Inseln sind so klein, dass man sie in wenigen Minuten zu Fuß umrunden kann.
Aber San Blas sollte nicht nur als Stranddestination betrachtet werden. Die Region gehört zum Gebiet der Guna und besitzt eine eigene indigene Kultur und Geschichte. Wer hier unterwegs ist, besucht also nicht einfach einen tropischen Ferienpark, sondern eine Region, in der Menschen leben und ihre eigenen Traditionen bewahren.
Schwimmen, Schnorcheln, Inselhopping und Bootsausflüge stehen im Mittelpunkt, aber gerade die Kombination aus Landschaft und Kultur macht San Blas besonders.
El Valle de Antón: Eine Stadt im Vulkankrater
El Valle de Antón ist eine weitere interessante Möglichkeit für Reisende, die Berge und Natur erleben möchten, ohne weit ins Landesinnere zu fahren.
Die Stadt liegt in einem riesigen Krater eines alten Vulkans und ist von grünen Bergen umgeben. Wanderwege, Wasserfälle, Aussichtspunkte und tropische Vegetation machen die Gegend zu einem beliebten Zwischenstopp.
Durch die Nähe zu Panama City eignet sich El Valle besonders gut für Reisende mit begrenzter Zeit. Man kann der Hitze und dem Großstadtleben relativ schnell entkommen und ein paar Tage in einer wesentlich kühleren Umgebung verbringen.
Santa Fe: Das ruhigere Panama
Wer Panama abseits der bekannten Backpacker Routen erleben möchte, sollte Santa Fe auf dem Radar haben.
Die Bergregion in der Provinz Veraguas ist von Wäldern, Flüssen, Wasserfällen und landwirtschaftlich genutzten Gebieten umgeben. Es gibt weniger internationalen Tourismus und dadurch fühlt sich die Region wesentlich stärker nach dem alltäglichen Panama an.
Hier geht es nicht unbedingt darum, die berühmteste Sehenswürdigkeit des Landes zu finden. Eine Wanderung, ein Bad im Fluss, eine kleine lokale Mahlzeit oder ein Gespräch mit Einheimischen kann bereits der Höhepunkt des Tages sein.
Portobelo: Geschichte am karibischen Meer
Portobelo verbindet Geschichte und Karibik auf besonders interessante Weise. Die alten Festungen erinnern daran, wie wichtig Panama während der spanischen Kolonialzeit als Verbindung zwischen den Ozeanen war.
Heute kann man durch die historischen Anlagen spazieren und gleichzeitig das tropische Umfeld genießen. Für Reisende, die nicht ausschließlich Strände und Regenwald sehen möchten, ist Portobelo eine gute Ergänzung.
Die Region hat außerdem eine starke afro karibische und kulturelle Identität, die eine weitere Facette des Landes zeigt.
Die Flüsse und Wasserfälle Panamas
Wer nach Panama reist und nur an Strände denkt, verpasst einen großen Teil des Landes.
Das Landesinnere ist voller Flüsse, Bäche und Wasserfälle. Besonders in den Bergregionen von Chiriquí, Veraguas und Coclé findet man Orte, an denen klares Süßwasser durch tropische Landschaften fließt.
Nach einem heißen Wandertag in einen kühlen Fluss zu springen, kann genauso beeindruckend sein wie ein Tag am Meer. Rund um Gualaca und andere Bergregionen gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Natur Abenteuer und Fluss Erlebnisse.
Manchmal sind diese Orte sogar interessanter als die bekannten Sehenswürdigkeiten, gerade weil sie weniger touristisch wirken.
Panama für Tierfreunde
Panama ist ein hervorragendes Reiseziel für Menschen, die Tiere und Natur lieben.
Das Land liegt an einer wichtigen biologischen Verbindung zwischen Nord und Südamerika. Dadurch treffen hier unterschiedliche Tierwelten aufeinander. Regenwälder, Mangroven, Berge, Flüsse, Küsten und Meeresgebiete schaffen eine enorme Vielfalt an Lebensräumen.
Affen können über den Bäumen auftauchen, Faultiere hängen irgendwo im Blätterdach, Kolibris schießen an Blumen vorbei und riesige Schmetterlinge können plötzlich auf dem Wanderweg landen.
Nachts wird die Sache noch interessanter. Die tropische Dunkelheit bringt eine völlig andere Welt hervor. Frösche beginnen zu rufen, Insekten werden aktiv und Tiere, die man am Tag niemals bemerkt hätte, kommen aus ihren Verstecken.
Wer keine Angst vor Spinnen und Insekten hat, bekommt in Panama ohnehin eine kostenlose Naturausstellung geboten.
Essen gehört zur Reise dazu
Panama sollte man auch über den Magen kennenlernen.
Traditionelle Gerichte wie Sancocho, Ceviche, Patacones, Empanadas, Reis mit Bohnen und verschiedene Fleisch und Fischgerichte gehören zur kulinarischen Seite des Landes. Dazu kommen tropische Früchte in unglaublicher Vielfalt.
In Panama City ist das Angebot natürlich wesentlich internationaler. Dort findet man Restaurants aus aller Welt, während in kleineren Orten einfache lokale Restaurants oft die authentischere Erfahrung bieten.
Und manchmal ist genau das kleine Restaurant mit Plastikstühlen und einer überschaubaren Speisekarte die Überraschung des Tages.
Panama ist ideal für Backpacker
Ein großer Vorteil Panamas ist die Möglichkeit, sehr unterschiedliche Regionen miteinander zu verbinden.
Eine klassische Route könnte in Panama City beginnen, über El Valle weiter Richtung Pazifikküste führen, danach nach Boquete gehen, einen Zwischenstopp im Dschungel bei Lost and Found einlegen und anschließend Richtung Bocas del Toro weiterführen.
Eine andere Reise könnte sich fast ausschließlich auf die Pazifikküste konzentrieren und Playa Venao, Santa Catalina und Coiba miteinander verbinden.
Oder man macht genau das Gegenteil und reist langsam. Weniger Ziele, dafür mehr Zeit an jedem Ort.
Gerade Backpacker sollten sich nicht verpflichtet fühlen, jeden bekannten Ort des Landes abzuhaken. Panama funktioniert hervorragend mit einem gewissen Maß an Spontaneität.
Was Panama wirklich besonders macht
Vielleicht ist die größte Attraktion Panamas gar nicht eine einzelne Sehenswürdigkeit.
Es ist der Wechsel.
Du kannst morgens zwischen Wolkenkratzern frühstücken, am Nachmittag durch tropischen Regenwald laufen und zwei Tage später auf einer karibischen Insel schwimmen. Du kannst in den Bergen Kaffee trinken, in einem Fluss baden, am Pazifik surfen und abends in einer Bar in Bocas sitzen.
Du kannst eine Reise voller Abenteuer machen, eine ruhige Naturreise, eine Surf Reise, einen Party Trip oder eine Mischung aus allem.
Und genau deshalb sollte man Panama nicht als eine einzige Destination betrachten. Panama ist eine Sammlung völlig unterschiedlicher Welten, die durch Straßen, Busse, Boote und erstaunlich kurze Entfernungen miteinander verbunden sind.
Der vielleicht beste Tipp lautet deshalb: Plane genug, aber plane nicht alles.
Wisse, wo du ungefähr hinmöchtest. Kenne deine nächste Transportmöglichkeit. Aber lass etwas Platz für Zufälle. Bleib eine Nacht länger, weil du interessante Leute kennengelernt hast. Nimm einmal den lokalen Bus. Folge einem Wanderweg. Bade in einem Fluss. Sitze auf einer karibischen Insel bis zum Sonnenuntergang. Oder verbringe ein paar Tage mitten im Dschungel, wo das größte Problem des Tages darin besteht, welche seltsame Kreatur gerade über die Wand läuft.
Panama ist kein Land, das man am besten erlebt, indem man möglichst schnell möglichst viele Sehenswürdigkeiten sammelt.
Es ist ein Land, das man erlebt, indem man sich bewegt, stehen bleibt, neugierig bleibt und manchmal einfach schaut, was hinter der nächsten Kurve kommt.
