Panama ist ein gefährliches Land für jeden, der gerne nach einem perfekten Zeitplan reist. Du kommst mit einem schönen kleinen Reiseplan an, hast deine Hostels gebucht, weißt ungefähr, wann welcher Bus fährt, und dann beginnt Panama, deine Pläne zu sabotieren. Jemand erzählt dir von einem Wasserfall. Ein Strand ist viel schöner als erwartet. Beim Frühstück lernst du andere Backpacker kennen und plötzlich fährst du irgendwohin, von dem du am Vortag noch nie gehört hast. Du wolltest eigentlich zwei Nächte bleiben und stellst irgendwann fest, dass es bereits der fünfte Tag ist.
Genau das macht Panama so großartig zum Backpacken. Das Land ist klein genug, dass du nicht die Hälfte deiner Reise in Bussen verbringen musst, aber abwechslungsreich genug, dass sich alle paar Stunden die Landschaft und manchmal sogar das gesamte Lebensgefühl verändert.
Panama City: Starte mit dem Chaos
Panama City ist für viele Backpacker der erste Kontakt mit dem Land und gleichzeitig eine ziemlich gute Zusammenfassung dessen, was Panama so ungewöhnlich macht. Auf der einen Seite stehen riesige Glas- und Betontürme, dichter Verkehr und moderne Einkaufszentren. Auf der anderen Seite findest du alte Kolonialgebäude, kleine Straßen, tropische Vegetation und den Dschungel.
Mach nicht den typischen Fehler und behandle Panama City nur als Zwischenstopp zwischen zwei Flügen.
Nimm dir Zeit für Casco Viejo. Lauf ohne großen Plan durch die alten Straßen. Setz dich irgendwo hin und beobachte nicht die Sehenswürdigkeiten, sondern die Menschen. Geh am späten Nachmittag an die Uferpromenade und schau zu, wie die Hitze langsam aus der Stadt verschwindet.
Natürlich solltest du auch den Panamakanal sehen. Aber Panama City wird erst richtig interessant, wenn du anschließend in einen der nahegelegenen Naturparks gehst und plötzlich mitten im tropischen Grün stehst.
Das Verrückte ist: Du musst dafür nicht einmal besonders weit fahren.
Panama City zeigt dir schon am Anfang, dass dieses Land nicht wirklich in eine Schublade passt.
San Blas: Bevor jemand dort ein riesiges Resort baut
San Blas, offiziell Guna Yala, ist der Ort, an dem deine Strandfotos plötzlich anfangen, unrealistisch auszusehen.
Hunderte kleine Inseln liegen in der Karibik. Manche sind so klein, dass du sie in wenigen Minuten umrunden kannst. Weißer Sand, Palmen, türkisfarbenes Wasser und kleine Boote gehören hier zum Alltag.
Aber San Blas ist nicht einfach irgendein tropisches Ferienparadies. Das Gebiet gehört zum Volk der Guna, und genau das macht die Erfahrung anders als einen gewöhnlichen Resorturlaub.
Erwarte keinen Luxus.
Erwarte einfache Unterkünfte, frisches Essen, kleine Boote und eine Umgebung, in der du plötzlich feststellst, dass du seit Stunden nicht mehr auf dein Handy geschaut hast.
San Blas ist einer dieser seltenen Orte, an denen der Begriff „abschalten“ tatsächlich funktioniert und nicht nur auf einer Yoga-Werbung steht.
El Valle de Antón: Panama in einer riesigen Schüssel
El Valle ist geografisch ziemlich eigenartig. Die Stadt liegt in einem gewaltigen Vulkankrater, umgeben von grünen Bergen.
Von Panama City ist es nicht besonders weit, aber die Atmosphäre verändert sich schnell. Die Straßen werden ruhiger, die Luft wird angenehmer und die Hauptstadt scheint plötzlich weit weg zu sein.
Hier geht es weniger darum, zehn Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Du kannst wandern, Wasserfälle suchen, Aussichtspunkte erklimmen und einfach durch die Gegend laufen.
El Valle ist deshalb ein perfekter Zwischenstopp nach Panama City.
Du kommst möglicherweise heiß, verschwitzt und etwas genervt vom Verkehr an und sitzt am nächsten Morgen in den Bergen und fragst dich, warum du nicht früher gekommen bist.
Santa Catalina: Wo die Straße immer kleiner wird
Santa Catalina hat etwas, das bei beliebten Reisezielen immer seltener wird: Man muss sich ein bisschen anstrengen, um hinzukommen.
Die Fahrt dauert länger. Die Straßen werden kleiner. Irgendwann verschwindet das Gefühl, dass du dich gerade auf dem Weg zu einem großen Touristenziel befindest.
Dann kommt Santa Catalina.
Ein kleiner Ort am Pazifik, umgeben von Meer und Landschaft.
Und plötzlich merkst du, dass du eigentlich gar nicht viel brauchst.
Surfen. Tauchen. Schwimmen. Angeln. Essen. Sonnenuntergänge. Menschen kennenlernen.
Der große Trumpf ist Coiba.
Wenn dein Budget es erlaubt, würde ich hier ernsthaft darüber nachdenken, Geld für einen Tauch- oder Schnorchelausflug auszugeben. Die Gewässer rund um Coiba gehören zu den großen Naturerlebnissen Panamas.
Santa Catalina ist außerdem ein hervorragender Ort, um herauszufinden, ob du drei Tage lang einfach nichts tun kannst.
Viele Backpacker finden heraus: Ja.
Boquete: Hier macht Panama die Klimaanlage an
Dann geht es in die Berge und plötzlich dreht jemand die Temperatur herunter.
Boquete ist einer dieser Orte, an denen du zuerst die angenehm kühle Luft bemerkst. Nach der Hitze der Küstenregionen fühlt sich das fast luxuriös an.
Danach bemerkst du die Landschaft.
Alles ist grün. Berge liegen hinter Bergen. Flüsse schneiden durch Täler. Kaffee wächst an den Hängen. Und überall scheint irgendwo ein Vogel zu sitzen, den du noch nie zuvor gesehen hast.
Boquete hat genügend touristische Infrastruktur, damit Backpacking einfach funktioniert, aber es fühlt sich trotzdem nicht wie ein riesiger Freizeitpark an.
Du kannst morgens wandern, nachmittags Kaffee trinken und abends mit anderen Reisenden zusammensitzen und über deren völlig unrealistische Reisepläne für die nächsten drei Wochen reden.
Irgendjemand wird dir irgendwann vom Volcán Barú erzählen.
Wenn du fit bist und die Herausforderung suchst, ist der höchste Berg Panamas ein großes Abenteuer. Aber verwechsle „beliebt bei Backpackern“ nicht mit „einfach“.
Der Berg interessiert sich nicht dafür, wie viele Leute bereits Fotos vom Gipfel gepostet haben.
Fortuna und Lost and Found: Hier wird die Reise richtig wild
Zwischen Boquete und Bocas del Toro liegt eine Region, die viele Backpacker einfach durchfahren würden.
Das wäre schade.
Fortuna ist der Moment, an dem du dich entscheiden kannst, die Reise selbst zum Erlebnis zu machen.
Hier befindet sich das Lost and Found Hostel, und es ist nicht das typische Hostel, in dem du vom Bus direkt zur Rezeption läufst, dein Bett beziehst und anschließend Netflix schaust.
Du musst hineinwandern.
Das Hostel liegt im Fortuna Forest Reserve und ist von einem eigenen Netz aus Dschungelwegen umgeben. Der Wald ist also keine Aktivität, die du für morgen buchen musst.
Der Wald liegt direkt vor deiner Tür.
Und das verändert die gesamte Atmosphäre.
Du wachst im Dschungel auf. Du gehst wandern, weil es keinen Grund gibt, irgendwo anders hinzumüssen. Du kannst Affen, Vögel und andere Tiere entdecken, Aussichtspunkte suchen, Flüsse erkunden und den Wald erleben, anstatt ihn nur für drei Stunden im Rahmen einer Tour zu besuchen.
Und dann ist da noch die soziale Seite.
Backpacker kommen an, lernen sich kennen, verschwinden gemeinsam auf den Trails, kommen verschwitzt zurück, essen, trinken, spielen Spiele und beginnen irgendwann, ihre nächsten Abenteuer zu planen.
Diese Kombination aus abgelegener Dschungellage und echter Backpacker-Atmosphäre ist überraschend selten.
Gerade für Reisende zwischen Boquete und Bocas ist Lost and Found deshalb mehr als nur eine Unterkunft. Es macht aus einem Reisetag einen richtigen Aufenthalt.
Und genau solche Orte bleiben häufig länger im Gedächtnis als die berühmteste Sehenswürdigkeit.
Bocas del Toro: Hier beginnt dein Reiseplan auseinanderzufallen
Bocas ist der Ort, an dem Panama anfängt, deine Planung endgültig zu ruinieren.
Du kommst mit dem Plan an, zwei Nächte zu bleiben.
Dann erzählt dir jemand von einem besseren Strand.
Dann gibt es am nächsten Tag eine Bootstour.
Dann lädt dich jemand abends irgendwohin ein.
Dann lernst du Leute aus Deutschland, Australien, Kanada, Argentinien und Ländern kennen, deren Namen du vielleicht nicht einmal richtig aussprechen kannst.
Und plötzlich buchst du eine weitere Nacht.
Bocas Town ist einer der großen Backpacker-Treffpunkte Panamas. Es ist laut, sozial, tropisch und manchmal wunderbar chaotisch. Wasser-Taxis fahren ständig zwischen den Inseln hin und her und irgendwo findet sich fast immer eine Gruppe, der du dich anschließen kannst.
Für Alleinreisende ist Bocas besonders gut geeignet.
Allein bleibt man hier selten lange.
Aber verbringe nicht die gesamte Zeit in Bocas Town.
Steig in ein Boot.
Fahr hinaus.
Erkunde die anderen Inseln.
Schnorchle.
Schwimme.
Suche dir einen Strand.
Bastimentos ist besonders interessant, wenn du eine wildere Seite des Archipels kennenlernen möchtest.
Bocas ist der Ort, an dem die Karibik aufhört, nur ein schönes Foto zu sein, und plötzlich zu deinem Alltag wird.
Volcán und Cerro Punta: Panama ohne Backpacker-Lärm
Wenn dir Boquete irgendwann zu touristisch vorkommt, fahr weiter.
Volcán und Cerro Punta fühlen sich anders an. Die touristische Infrastruktur wird dünner, Landwirtschaft wird sichtbarer und die Berge wirken wieder mehr wie Orte, an denen Menschen tatsächlich leben.
Hier bist du richtig, wenn du nach einigen Wochen Backpacking genug von Hostels, Bars und ständig neuen Touren hast.
Es gibt Wälder, Bauernhöfe, Berge und kühlere Temperaturen.
Niemand muss dir hier unbedingt einen Tagesplan verkaufen.
Gut so.
Mach deinen eigenen.
Playa Venao: Bleib, bis du nicht mehr weißt, welcher Wochentag ist
Playa Venao besitzt genau die Zutaten, die Backpacker regelmäßig dazu bringen, ihre Weiterreise zu verschieben.
Ein langer Pazifikstrand.
Surfen.
Sonnenuntergänge.
Hostels.
Restaurants.
Junge Reisende.
Genügend Nachtleben, um interessant zu bleiben, aber nicht so viel, dass du jeden Abend irgendwo feiern musst.
Die Tage werden angenehm eintönig.
Surfen.
Essen.
Jemanden kennenlernen.
Schwimmen.
Sonnenuntergang anschauen.
Jemand schlägt etwas vor.
Du sagst ja.
Und plötzlich bist du seit sechs Tagen dort.
Venao ist besonders gut für Reisende, die einmal irgendwo bleiben wollen, anstatt alle zwei Tage ihren Rucksack neu zu packen.
Portobelo: Wenn der Strand einmal nicht das Wichtigste ist
Portobelo schätzt man oft erst richtig, nachdem man bereits zwei Wochen Strände gesehen hat.
Die alten spanischen Befestigungsanlagen und Ruinen erinnern daran, wie wichtig dieser kleine Ort einst für das spanische Weltreich war.
Die Geschichte befindet sich hier nicht nur hinter Museumsglas.
Sie ist überall.
Portobelo zeigt außerdem eine andere Seite der karibischen Geschichte Panamas und den enormen Einfluss afro-karibischer Gemeinschaften.
Es ist ein guter Ort, um den Blickwinkel zu verändern.
Panama besteht nicht nur aus tropischer Landschaft.
Das Land hat Schichten.
Manche davon sind mehrere Jahrhunderte alt.
Santa Fe: Nimm die Straße, die dir niemand empfohlen hat
Santa Fe ist etwas für Backpacker, die irgendwann aufhören, sich für „Top 10“-Listen zu interessieren.
Es ist ruhiger.
Ländlicher.
Von Bergen, Flüssen, Wasserfällen und Wald umgeben.
Und du musst dich ein wenig mehr selbst organisieren.
Genau das kann angenehm sein.
Nicht überall wartet ein Hostel mit Party auf dich. Nicht an jeder Ecke steht jemand und verkauft dir die nächste Tour.
Du musst selbst herausfinden, wohin du gehen möchtest.
Frag jemanden.
Lauf los.
Werd nass.
Verlauf dich vielleicht ein bisschen.
Und entdecke etwas.
Für Reisende, die wirklich unabhängig unterwegs sein möchten, kann das wertvoller sein als der nächste berühmte Aussichtspunkt.
Soberanía: Der Dschungel-Trick
Einer der besten Tricks Panamas ist, dass du keinen mehrtägigen Ausflug unternehmen musst, um richtigen Regenwald zu erleben.
Der Soberanía-Nationalpark liegt nahe Panama City und ermöglicht einen relativ einfachen Einstieg in den tropischen Regenwald.
Für Backpacker mit wenig Zeit ist das perfekt.
Morgens siehst du noch die Wolkenkratzer.
Kurz darauf läufst du unter riesigen tropischen Bäumen.
Wer Vögel liebt, sollte Geduld mitbringen.
Panamas Wälder sind erstaunlich lebendig, sobald du aufhörst, wie ein Tourist hindurchzulaufen und anfängst, wirklich nach Tieren zu suchen.
Mach aus Panama keine Checkliste
Die Versuchung ist groß, eine Route zusammenzustellen, die auf dem Papier beeindruckend aussieht.
Panama City.
San Blas.
El Valle.
Santa Catalina.
Boquete.
Lost and Found.
Bocas.
Venao.
Volcán.
Portobelo.
Fertig.
Herzlichen Glückwunsch.
Du hast deinen gesamten Urlaub damit verbracht, deinen Rucksack zu packen und wieder auszupacken.
Die bessere Variante ist, Platz für Zufälle zu lassen.
Verpass einen Bus.
Bleib irgendwo, weil es dir gefällt.
Nimm eine Einladung an.
Fahr eine Straße entlang, die interessant aussieht.
Sprich beim Frühstück mit jemandem.
Frag, woher die Person kommt.
Frag, wohin sie fährt.
Frag, was sie im Nachhinein gerne anders gemacht hätte.
Die besten Erlebnisse in Panama lassen sich nicht unbedingt sechs Monate im Voraus reservieren.
Das gilt besonders für Orte wie Lost and Found, wo nicht nur die Lage selbst interessant ist. Es ist die Mischung aus Dschungel, Wanderwegen, Tieren und dieser kleinen Gemeinschaft, die entsteht, wenn plötzlich eine Gruppe Backpacker mitten im Wald landet.
Wohin solltest du wirklich?
Für eine erste Reise bietet Panama City → San Blas → El Valle → Santa Catalina → Boquete → Fortuna/Lost and Found → Bocas del Toro eine unglaubliche Mischung.
Du bekommst Stadt, Karibik, indigene Kultur, Berge, Pazifik, Nebelwald und Dschungel.
Wenn du mehr Zeit hast, kannst du Venao, Volcán, Cerro Punta, Portobelo oder Santa Fe hinzufügen.
Aber versuche nicht, alles zu sehen.
Die beste Panama-Reise ist nicht diejenige mit den meisten Punkten auf Google Maps.
Es ist die Reise, bei der du irgendwann um den zehnten Tag herum feststellst, dass du aufgehört hast, auf die Uhr zu schauen.
Dann machst du wahrscheinlich gerade Panama richtig.

